Feuerwehren in Alkoven

FF Alkoven | FF Polsing

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Wechsellader mit schwerem Kran (WLF-K2-KS)

Mit April 2026 begann bei der Feuerwehr Alkoven eine neue Ära. Seitens des Landes-Feuerwehrverbandes wurde das alte Kranfahrzeug gegen einen Vierachs-Wechsellader mit schwerem Kran ersetzt. Neben dem stärkeren Kran eröffnen sich auch mit dem Containersystem völlig neue Möglichkeiten. Beim vorliegenden Fahrzeug handelt es sich um ein Stützpunktfahrzeug, dass zwar im Besitz des Oö. Landes-Feuerwehrverbandes bleibt (der hat es auch beschafft), aber bei der Feuerwehr Alkoven stationiert ist.

Text und Bilder: Hermann Kollinger

1998 stationierte der Oö. Landes-Feuerwehrverband bei der Feuerwehr Alkoven als Prototypen einen 3-Achs-Lkw mit Heckkran (Hiab 330). Damals als 33-Meter-Tonnen-Kran einer der leistungsfähigen Ladekräne. Auf der fixen Ladefläche wurden in weiterer Folge als Eigenentwicklung die Ölsperren für die Donau auf Rollen platziert und alles mitgeführt, was der Öleinsatz auf dem Gewässer benötigen könnte. Der Lkw auf MAN 33S40 entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem sehr universell einsetzbaren Fahrzeug und konnte eine breite Palette an Hilfeleistungen neben seinem eigentlichen Zweck aufweisen: 

Fahrzeugbergungen, Schneedruck- und Hochwasser-Einsätze, Sturmschäden, Abräumarbeiten nach Gebäudebränden, Sicherungskran für die Höhenretter, Einsatz nach Brand auf Schiff und vieles mehr. Ende Juli 2026 ging das Fahrzeug nach einer Zeit der Doppelführung beider Modelle (aufgrund der erforderlichen Einschulungszeit) wieder zum Verband zurück, der diesen dann der Versteigerung zuführte. Die Rückführung zum Verband finden Sie hier als Video.

Weiterentwicklung des Kran- und Logistik-Konzeptes

In den fast drei Jahrzehnten der Nutzung des Fahrzeuges kam der Katastrophenschutz in den Umbruch, die Verantwortlichen beim Landes-Feuerwehrverband stellten unter anderem ein Konzept für leichte und schwere Wechsellader mit Kran auf, da große Schadensereignisse oder auch die Pandemie enorme Mängel an Logistikmöglichkeiten der oberösterreichischen Feuerwehren aufwiesen und zudem auch die schweren Liebherr 1070er Autokräne reduziert werden sollten. Aufgrund organisatorischer Veränderungen sowie der Einsatzportfolios des alten Krans fiel seitens des Verbandes auch die Entscheidung, einen der fünf schweren Wechsellader nach Alkoven zu stationieren und ein Update zum Kranstützpunkt vorzunehmen. 

Stützpunkt bedeutet in Oberösterreich, dass der Katastrophenschutz die Beschaffung des Fahrzeuges bezahlt, es sein Eigentum bleibt und bei der jeweiligen Feuerwehr im Haus steht. Es steht der Feuerwehr zur Verfügung, jedoch verpflichtet sie sich zur überregionalen Hilfeleistung und ist gemeinsam mit der Gemeinde für die Erhaltung verantwortlich. Infos zum Logistik- und Kranstützpunkt-Konzept und dessen Neuausrichtung bis 2028 finden Sie in einem ausführlichen Artikel des Landes-Feuerwehrverbandes hier auf der Webseite des Feuerwehrmagazins Brennpunkt.

"Etwas enge" Bedingungen bis zum Bezug des neuen Feuerwehrhauses.
Zwischenheimat im Bauhof (neben neuem Fw-Haus)

Vorgabe durch den Verband

Wie bei fast allen Stützpunktgeräten hat die jeweilige Feuerwehr kaum bis keinen Einfluss auf die Ausstattung oder die Dimension des Gerätes oder Fahrzeuges. Dies unterliegt in der Vorbereitung des Verbandes und ist beim nun vorliegenden WLF-K2 KS (bedeutet Wechsellader, K2 ist die schwere Ausführung und KS = Katastrophenschutz) nicht anders. 

Wie erwähnt ist das Fahrzeug Bestandteil eines Gesamtkonzeptes für Oberösterreich. Soweit die nicht unwesentlichen, einleitenden Grundinformationen, wieso ein derartiges Fahrzeug bei der Feuerwehr Alkoven stationiert ist.

Zwei-Hand-Sicherheitsbedienung
Planenaufbau ist von allen Seiten aufmachbarbar

Vierachser auf MAN TGS 35.480

Der Vierachser auf MAN TGS 35.480 8x2H-6 BL CH verfügt über drei gelenkte Achsen. Dies ist wesentlich für die Wendigkeit des Lkw, die gegenüber dem alten Dreiachser mit zwei starren Hinterachsen maßgeblich besser geworden ist. Neben der mechanisch angetriebenen Hinterachse sorgt der MAN HydroDrive bei Bedarf über einen hydrostatischen Vorderachsantrieb für zusätzliche Traktion.

Im normalen Straßenbetrieb ist eine Achse des 480 PS (353 kW) starken Lastwagens mechanisch angetrieben.

Beim Fotoshooting bestand die Ladung derzeit noch aus dem Minimum.
Nebe Schaufel gibt's noch Korb, Palettengabel und Greifzange.

74,7 Metertonnen hinter dem Fahrerhaus

Das augenscheinlichste Arbeitsgerät des Fahrzeuges sitzt nun im Gegensatz zum Vorgänger unmittelbar hinter dem Fahrerhaus. Mit dem Palfinger PK 78002 SH-F (74,7 Metertonnen-Kran) spielt das neue Fahrzeug in einer völlig anderen Liga als der 33-mt-Hiab des Vorgängers. Der Kran verfügt über sieben hydraulische Ausschübe am Hauptarm. Bei 4,3 Metern Ausladung können rund 15,8 Tonnen gehoben werden, bei sechs Metern sind es noch 11,1 Tonnen und am Ende des rund 18 Meter weit reichenden Hauptarmes noch etwa 3,25 Tonnen.
Einer der wesentlichen Unterschiede zum 2019 gebauten WLF-K2-Prototypen in Enns ist der zusätzliche Knickarm – meist als Jib oder Fly-Jib bezeichnet. Er lässt sich am Ende des Hauptarmes zusätzlich ausfahren und erweitert den Arbeitsbereich auf rund 30 Meter. Selbst dort verbleiben beim Fahrzeug noch rund 730 kg Hubkraft.

Damit eröffnet sich neben klassischen Berge- und Hebearbeiten auch ein völlig neues Spektrum bei Arbeiten an Gebäuden, auf Dächern oder etwa in Verbindung mit den Höhenrettern. Bei schweren Lasten über vier Tonnen gilt der Jip dann als „Schwachpunkt“ und muss entweder eingeknickt oder – noch besser – abgenommen werden. Der Ladekran ist endlos schwenkbar. Die große  Reichweite hat freilich ihren Preis: Je weiter der Arm ausgefahren wird, desto geringer wird die mögliche Last. Entscheidend ist immer die Kombination aus Last und Entfernung zur Kransäule. Das Ende ist jedoch oft schneller erreicht, als man vielleicht aufgrund des Anblick des Krans einschätzen möchte.

Bis zu 8,6 Meter in die Breite

Bevor es mit dem Kran tatsächlich nach oben geht, muss jedoch zuerst eine entsprechende Basis geschaffen werden. Palfinger gibt für den PK 78002 SH eine maximale Abstützbreite von 8,6 Metern an. Diese muss allerdings nicht bei jedem Einsatz vollständig zur Verfügung stehen. Gerade an Einsatzstellen zwischen Gebäuden, auf Straßen oder unmittelbar neben Hindernissen ist der vorhandene Platz oftmals begrenzt. Hier kommt das sogenannte HPSC – High Performance Stability Control – ins Spiel. Das System erfasst die tatsächliche Stellung der Abstützung und passt den noch zulässigen Arbeitsbereich des Krans daran an. Dadurch kann auch mit nicht vollständig ausgefahrenen Stützen gearbeitet werden, wenngleich sich dadurch naturgemäß die mögliche Hubleistung beziehungsweise der Arbeitsbereich reduziert.

Das System versucht somit nicht, die physikalischen Grenzen auszutricksen, sondern macht aus der jeweils vorhandenen Abstützsituation das technisch Mögliche. Mit der Abstützung entscheidet sich  ein wesentlicher Teil darüber, welche Last in welche Richtung und auf welche Entfernung überhaupt bewegt werden kann. Nicht unwesentlich ist hier, die Funktion „Load“ zu erwähnen. Sind die Vorderstützen zumindest zu 32 Prozent ausgefahren, bezieht die Elektronik auch den Beladungszustand des Lkw in die Standsicherheitsberechnung ein. Ein mitgeführter Abrollbehälter kann damit – abhängig von der Arbeitsrichtung – gewissermaßen als zusätzlicher Ballast wirken und mehr nutzbare Kranleistung ermöglichen. Ein leerer, teilbeladener oder voll beladener Lkw kann daher unterschiedliche zulässige Kranleistungen zur Folge haben.

Der Kranfahrer geht mit der Fernsteuerung mit

Eine fixe Bedienposition am Fahrzeug gehört beim Kranbetrieb der Vergangenheit an. Die Steuerung erfolgt über die Palfinger-Funkfernsteuerung PALcom P7. Sie verfügt über ein Farbdisplay und den zentralen Bedienknopf PALdrive, über den verschiedenen Funktionen und Anzeigen angewählt werden können. Für den Kranfahrer ergibt sich daraus ein wesentlicher Vorteil: Er kann seine Position entsprechend der jeweiligen Arbeit wählen und sich nach Möglichkeit so aufstellen, dass Last, Anschlagmittel und Arbeitsbereich im Blick bleiben. Palfinger nennt für den PK 78002 SH die PALcom P7 ausdrücklich als Bestandteil seines Bedienkonzeptes. Dabei beschränkt sich die Elektronik längst nicht mehr darauf, lediglich die Bewegungen der Hydraulikventile weiterzugeben. 

Im Hintergrund überwacht die Paltronic-Steuerung die Arbeitszustände des Krans. Das S-HPLS-System passt abhängig von der jeweiligen Situation Hubleistung und Bewegungsgeschwindigkeit an. Wird mehr Kraft benötigt, kann die Hubleistung entsprechend angehoben werden, wobei die Arbeitsgeschwindigkeit reduziert wird. Auch die Soft-Stop-Funktion gehört zum technischen Konzept: Vor Endstellungen werden Kranbewegungen elektronisch abgebremst, um abrupte Stopps, unnötiges Nachschwingen der Last und Belastungsspitzen in der Konstruktion zu reduzieren.

Auf Wunsch Falten per Assistenzsystem

Auch das Auseinander- und Zusammenlegen des Krans wird elektronisch unterstützt. Mit P-Fold ist ein Assistenzsystem vorhanden, bei dem die für das Entfalten beziehungsweise Ablegen erforderlichen Bewegungen koordiniert werden. Der Kranfahrer gibt die Bewegung über einen Bedienhebel vor, die Steuerung übernimmt die Abstimmung der einzelnen Bewegungsabläufe. Damit soll nicht nur die Bedienung vereinfacht, sondern auch verhindert werden, dass es beim Zusammenlegen durch eine falsche Reihenfolge zu Beschädigungen kommt. 

Diese Funktion ist eine reine „Kann-„Funktion“, die der Maschinist nutzen kann. Bei engen Platzbedingungen kann diese aber auch nachteilig sein, da die Funktion recht großzügig fährt und auf seinem vordefinierten Weg anstoßen kann.

Heben per Seilwinde am Kranarm

Nicht immer lässt sich eine Last unmittelbar mit dem Kranhaken erreichen. Deshalb befindet sich am Kran zusätzlich eine hydraulische Seilwinde. Diese weist beim WLF-K2 KS eine Zugkraft von 34 kN auf. Das Seil kann über die Auslegerführung bis an die Spitze geführt werden, womit Lasten auch senkrecht unterhalb des ausgefahrenen Kranarmes aufgenommen oder abgesenkt werden können. 

Gerade bei Bergungen aus Schächten, über Böschungen oder bei Arbeiten von Brücken aus erweitert das den Einsatzbereich gegenüber dem reinen Hakenbetrieb entsprechend. Nimmt man den Jib ab und baut die doppelte Ausführung ein, verdoppelt sich auch diese Hubleistung.

10-Tonnen-Zugkraft am Fahrzeugheck

Mit dem Wechsel des Fahrzeuges blieb auch eine beim Vorgänger oft benötigte Funktion erhalten: eine Berge- bzw. Zugseilwinde. Im Heck des Vierachsers sitzt eine Rotzler-Einbauseilwinde mit 100 kN Zugkraft und einem Seilvorrat von 90 Metern. Damit stehen nominell rund zehn Tonnen direkte Zugkraft zur Verfügung. Die Winde ist vom Ladekran unabhängig und ermöglicht beispielsweise Fahrzeugbergungen oder das Heranziehen von Lasten, bevor diese vom Kran übernommen werden können. 

Damit stehen am WLF letztlich zwei voneinander getrennte Seilwindensysteme zur Verfügung: die 34-kN-Winde am Kran für Hebearbeiten und die wesentlich stärkere 100-KN-Einbauwinde für Zugarbeiten.

15-Tonnen-Hakenlift als zweite Fahrzeughälfte

Der eigentliche Unterschied zum alten Alkovener Kran findet sich hinter dem Ladekran. Anstelle einer fixen Ladefläche verfügt der Vierachser über einen Palfinger-Abrollkipper mit 15 Tonnen Hubleistung. Damit kann das Fahrzeug unterschiedliche Abrollbehälter selbstständig aufnehmen, absetzen oder deren Inhalt – je nach Behälterbauart – abkippen. Das Kranfahrzeug wird damit gleichzeitig zum Logistikfahrzeug. Beim neuen Feuerwehrhaus konnten somit schon drei Abstellplätze dafür errichtet werden.
Standardmäßig gehört zum K2-KS ein langer Abrollbehälter Logistik. Dieser ist am Heck mit einer Vertikalladebühne mit 1,5 Tonnen Tragkraft ausgestattet und nimmt einen wesentlichen Teil des Kran- und Anschlagzubehörs auf. 

Gleichzeitig kann der Behälter für allgemeine Transportaufgaben bei Großschadens- und Katastrophenlagen verwendet werden. Gerade diese Möglichkeit ist ein wesentlicher Bestandteil des neuen Konzeptes: Der Vierachser ist nicht ausschließlich auf Kranarbeiten beschränkt, sondern lässt sich bei Bedarf auch als Trägerfahrzeug für andere passende Abrollbehälter einsetzen.
Im Juli 2026 wurde der Feuerwehr Alkoven übergangsmäßig ein gebrauchter Abrollbehälter (Mulde) zur Verfügung gestellt, der nun die komplette Ölwehr-Donau-Ausrüstung mitführt und im Bedarfsfall aufgezogen wird.

Werkzeuge machen den 32-Tonnener universell

Ein leistungsfähiger Kran allein macht noch kein universelles Feuerwehr-Arbeitsgerät. Entsprechend umfangreich fällt auch das Zubehör aus. Zur Ausstattung gehören unter anderem Arbeitskorb, Holzgreifer, Palettengabel und Schalengreifer sowie Anschlagmittel, Absturzsicherung und Beleuchtungs- und Absicherungsmaterial. Damit reicht das Spektrum vom Heben klassischer Lasten über das Räumen von Brand- und Schuttgut bis hin zur Aufnahme von Holz oder palettierten Gütern.

All diese Technik bringt naturgemäß Gewicht mit sich. Mit dem Logistik-Container beladen bringt das WLF 32 Tonnen auf die Waage. Die vom Landes-Feuerwehrverband beantragte Routengenehmigung erlaubt ein höchstzulässiges Gesamtgewicht von 37 Tonnen.
Mit den größeren Dimensionen reagiert das Feuerwehrwesen auch auf die größeren und schwereren Dimensionen des Alltags, denen man nicht immer hinterherhinken kann.

Fazit für Alkoven

Der Wechsel vom bisherigen Kranfahrzeug zum WLF-K2 KS bedeutet für die Feuerwehr Alkoven somit weit mehr als einen stärkeren Ladekran. Aus dem bisherigen Dreiachser mit fixer Ladefläche wurde ein Hebe-, Berge- und Logistiksystem, dessen einzelne Komponenten ineinandergreifen: Kran und Jib für schwere Lasten und große Reichweiten, zwei Seilwindensysteme für Hebe- und Zugarbeiten sowie der Hakenlift für die Logistikkomponente. Entsprechend umfangreich fiel auch die Einschulung aus, bevor der Vorgänger nach fast 28 Jahren endgültig aus dem Dienst genommen werden konnte.

Fünf Stück in Oberösterreich: Dem Artikel des Landes-Feuerwehrverbandes zum Logistik- und Krankonzept vorgreifend: In Obersterreich sind Fahrzeuge wie dieses auch bei den Freiw. Feuerwehren Braunau, Naarn und Micheldorf sowie der sich in ein paar Details unterscheidende Prototyp der Feuerwehr Enns stationiert. 

Infos zum Logistik- und Kranstützpunkt-Konzept des Oö. LFV hier auf der Webseite des Feuerwehrmagazins Brennpunkt.

Die Beschreibung des ausgeschiedenen Vorgängers finden Sie hier!

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