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KLF-A auf Mercedes Sprinter

Als Nachfolger des LFB-A1 (Löschfahrzeug mit Bergeausrüstung wurde im Sommer 2022 ein Kleinlöschfahrzeug (KLF) in den Dienst gestellt.

Eine Reportage von Hermann Kollinger

Die Freiw. Feuerwehr Alkoven hat im Sommer 2022 ein neues Kleinlöschfahrzeug in den Dienst gestellt. Es ist der Nachfolger für ein damals legendäres Löschfahrzeug auf MB 814 D, das 1993 noch auf der Interschutz ausgestellt worden ist. Durch eine frühzeitige Bestellung des neuen Fahrgestells sicherte man sich nun noch einen der letzten 6-Zylinder-Sprinterfahrzeuge auf 5,5 Tonnen.

Von Hermann Kollinger

1993 war das damalige Löschfahrzeug der Freiw. Feuerwehr Alkoven ein Magnet bei der Interschutz in Hannover. Die alten, weit verbreiteten Mercedes 409 D Benzinschleuderfahrzeuge waren am Ablösen durch eine neue Generation. Das bestellte Löschfahrzeug mit Bergeausrüstung war zudem auch mit einem 30 kVA-Einbaustromaggregat ausgestattet, sodass Rosenbauer es auch auf der weltgrößten Feuerwehrmesse zu präsentieren wusste.

Der Vorgänger wurde im Sommer 2022 nach München verkauft. Mit ihm ging leider auch das 30 kVA-Stromaggregat verloren.

Drei Jahrzehnte im Einsatz

Inzwischen sind fast drei Jahrzehnte ins Land gezogen, in deren Zeit das Löschfahrzeug der Feuerwehr Alkoven viele Einsätze abzuarbeiten half. Im Laufe der Zeit erfolgte zugunsten der Feuerwehr Polsing – was die Nachbeschaffung deren Löschfahrzeuges betrifft – die Abstufung von einem Löschfahrzeug mit Bergeausrüstung (LFB-A) auf ein Löschfahrzeug (LF). Nichts desto trotz war der Mercedes 814 D immer ein treuer Wegbegleiter und vor allem ein Garant für die Stromversorgung bei erhöhtem Bedarf desselbigen.

Logistik oder „normal“

Der Zahn der Zeit nagte klarerweise auch an diesem Fahrzeug, so dass für 2022 der Austausch am Programm stand. Aufgrund der Herabstufung des Fahrzeuges auf ein LF stand nun „lediglich“ die Beschaffung eines Kleinlöschfahrzeuges am Programm. Nach einer umfassenden Diskussion innerhalb der Arbeitsgruppe zwischen einer Logistik-Ausführung oder der herkömmlichen Variante konnte sich hierbei mit knappen Vorsprung die bewährte Ausführung eines Kleinlöschfahrzeuges durchsetzen.

Was anfänglich nicht bei allen Beteiligten Begeisterung finden konnten, hat sich nun aber in der Zwischenzeit langfristig nach der Neubeurteilung der Gefahren- und Entwicklungsplanung 2022 als nicht nachteilig herauskristallisiert. Durch die Einstufung der von Zuzug geprägten Speckgürtelgemeinde in die Pflichtbereichsklasse 5 wird die Feuerwehr Polsing in den nächsten Handvoll Jahren ein Tanklöschfahrzeug erhalten, wobei deren Kleinrüstfahrzeug-Logistik zur Feuerwehr Alkoven gehen wird. Somit stehen spätestens dann – zu dieser Zeit wird auch das bestehende Kranfahrzeug bereits gegen eine Wechselladerausführung getauscht sein – auch entsprechende Logistik-Kapazität als auch der dafür notwendige Platz zur Verfügung.

Vorzeitige Fahrgestell-Bestellung

Schwieriger gewordene Verfügbarkeiten der Fahrgestelle, die eingetretenen Teuerungen sowie das Auslaufen des 6-Zylinder-Antriebes seitens der Hersteller waren nach der durchgeführten Ausschreibung für das Fahrzeug, die Rosenbauer für sich gewinnen konnte, Antrieb dafür, schon frühzeitig aktiv zu werden. Über einen Mercedes-Händler in Eferding konnte man nach den entsprechenden Abklärungen noch gleich das Fahrgestell in Auftrag geben, einen Mercedes Sprinter 519 4×4. Ein 5,5 Tonnen Fahrzeug und 190 PS. Dieses wurde dann in weiterer Folge an Rosenbauer für den weiteren Aufbau überstellt.

Tetris im Finale

Will man meinen, dass die Beschaffung eines Kleinlöschfahrzeuges im Verhältnis zu einem Tank- oder Rüstlöschfahrzeug mit doch nun nicht die ganze große Herausforderung darstellt, wurde es unmittelbar vor der Auslieferung dann doch kurzfristig noch einmal knifflig. Entsprechend den Vorgaben sollte das ganze Equipment des Vorgängers natürlich dann auch im Kleinlöschfahrzeug Platz finden. So machte man sich auf den Weg ins Rosenbauerwerk nach Neidling in Niederösterreich. Voll beladen mit einem Tandemanhänger an Ausrüstung wurde man dort mit zwei Rollcontainern empfangen und gebeten, die Ausrüstung darin zu deponieren.

Die Aufforderung, man möge noch ein paar Behälter mehr bereitstellen, weil man wesentlich mehr mit dabei habe, sorgte vorübergehend nicht unbedingt für Begeisterung. So blieben dann die zwei die Geräte überstellenden Feuerwehrleute den ganzen Tag vor Ort und man „spielte“ – mehr oder weniger – das legendäre Spiel „Tetris“, mit Feuerwehrausrüstung. So lange, bis alles dennoch seinen Platz gefunden hat, ohne dennoch das Gesamtgewicht des Fahrzeuges zu überschreiten.

Unfalltechnik im Raum 1

Das Kleinlöschfahrzeug mit einem Radstand von 3.665 mm ist bei der Feuerwehr Alkoven bei Verkehrsunfällen die Nummer 2 beim Ausrücken. Ähnlich dem Rüstlöschfahrzeug ist somit der fahrerseitige Geräteraum – neben der vorgesehenen Normbeladung – dieser Thematik gewidmet. Ein kombinierter Akkuspreizer ist eines der Herzstücke des KLF-A. Spineboard, Unfallkiste, Werkzeugkiste, Unterlegmaterial, wasserführende Armaturen und die entsprechenden Schläuchen füllen den Geräteraum schneller, als man es für die Praxisbedürfnisse gerne möchte.

Pumpen in zweifacher Ausführung

Im Heck des Fahrzeuges – hier wurde als Schutz für den Maschinisten bewusst die Klappenausführung und nicht jene mit der Jalousie gewählt – befinden sich neben den obligatorischen Saugschläuchen und weiteren, wasserführenden Armaturen wie Hydranten-Standrohr zwei ebenfalls dem Wasser gewidmete Gerätschaften. Wer hier nun eine wuchtige, topmoderne Tragkraftspritze sucht, ist fehl am Platz. Aufgrund der beiden vorhanden Tanklöschfahrzeuge sowie der Teleskopmastbühne sowie der Ausrüstung der Feuerwehr Polsing mit einer leistungsstarken TS wurde bereits vor Jahren die Entscheidung getroffen, im LF lediglich eine Beaver-TS von Rosenbauer zu platzieren.

Diese fördert bei 8 bar 1.000 Liter und ist für den benötigten Anforderungen in Alkoven mehr als ausreichend, da die Feuerwehr bei überörtlichen Anforderungen fast ausnahmslos mit dem TLF-A 4000 sowie der TMB 32 eingeteilt ist. In den letzten 25 Jahren hatten sich keinen abweichenden Anforderungen ergeben, so dass man dieses System in das neue Fahrzeug übernommen hat. Zieht man den Auszug, auf dem sich die notfalls auch von zwei Mann tragbare Pumpe (112 kg) befindet, nach außen, offenbart sich dahinter dann auch ein leistungsstarker Wassersauger für Einsätze nach Unwettern, Hochwasser oder technischen Gebrechen.

Die im oberen Bereich des Heckraumes platzierte Lade enthält das übliche Schanzwerkzeug vom Besen zur Schaufel, über Spaten und Bolzenschneider. Die Anhängekupplung am Heck ist übrigens im Wechselbetrieb nutzbar und kann mit wenigen Handgriffen von einer Kugelkopf- auf eine Maulkopf-Kupplung modifiziert werden.

Schwieriges Thema „Strom“

Im rechten Geräteraum finden wir – wie generell auch üblich bei den meisten Feuerwehrfahrzeugen – die Stromversorgungsquelle für die Gerätschaften. Und das war eines der größten und intensiv behandelten Themen im Vorfeld. Ein 30 kVA-Stromaggregat wäre bei dieser Gewichtsklasse (leider) sowieso nicht mehr umsetzbar gewesen. Man musste ein Minus von 21 kVA gegenüber dem Vorgänger hinnehmen und ein 9 kVA-Stromaggregat auswählen. Dieses bietet Rosenbauer auch als Einbauvariante (ESP XS) an, was auch in Niederösterreich derzeit groß zur Anwendung kommt. Es bietet zwar nicht unbedingt mehr Leistung (etwas über 9 kVA bzw. Dauerleistung von 8 kVA), würde aber durch die Einbauvariante – einfach gesagt – den großen, klobigen Generator gegen eine kleine Einheit mit entsprechenden Anschlüssen ersetzen und so zusätzlichen Geräteraum schaffen.

Dies bedeutet jedoch nicht nur zusätzliche Ausrüstung, sondern auch zusätzliches Gewicht bzw. ein mögliches Überschreiten des Maximums. Sowohl diese Tatsache als auch jene, dass man trotz des Vorhandenseins von weiteren vier tragbaren Notstromerzeugern bei der Feuerwehr Alkoven (drei davon auf Fahrzeugen) aufgrund der Baurichtlinie vom Landes-Feuerwehrverband trotz mehrfachem Verhandeln kein grünes Licht dafür erhalten hat, waren nun für die Lösung des tragbaren 9 kVA-Modells ausschlaggebend. Andernfalls hätte man den Anspruch auf einen Teil der finanziellen Förderung für das KLF verzichten müssen … Durch den Wegfall des 30 kVA-Aggregates ergab sich ein großes Leistungsminus, das sich inzwischen schon bei zwei Überflutungseinsätzen ausgewirkt hat. Auch die Notstromversorgung für das bestehende Feuerwehrhaus ist somit ebenfalls bis zum Neubau in etwa zwei Jahren recht rudimentär geworden.

Neben dem notwendigen Kabelmaterial und den obligaten Schläuchen finden sich noch ein LED-Beleuchtungsgerät in diesem Geräteraum sowie eine Sturmeinsatzkiste mit Motorkettensäge und Zubehör. Apropos Licht: Die leistungsstarke LED-Umfeldbeleuchtung machte einen Lichtmast wie beim Vorgänger überflüssig.

Aufs Dach geklettert             

Auf das Dach das KLF geklettert, finden wir nicht nur eine vierteilige Steckleiter mit einer entsprechenden Rollführung, um beim Herabgeben die Karosserie entsprechend zu schützen. In der Dachbox findet sich neben einem Schwimmsauger auch noch ein Halogen-Scheinwerfer, ein Türheber, Feuerpatsche sowie Holz zum Unterlegen  sowie eine Baumstammpresse und ein Fällheber für sicheres Arbeiten nach Sturmschäden mit Bäumen.

Mannschaftskabine

Schlussendlich bleibt noch die Mannschaftskabine, in der sich entgegen der Fahrtrichtung die drei Atemschutzgeräte (300 bar) befinden, während sich unterhalb dieser Sitzbank noch die persönliche Schutzausrüstung für den Motorkettensägeneinsatz findet und auch Verkehrsleitkegel und Atemschutz-Reserveflaschen gehaltert sind. Atemschutzmasken, Sanitätsausrüstung, Schutzkleidung und kleineres Zubehör findet sich dann unter den Sitzen der in Fahrtrichtung sehenden Mannschaft.

Das erste Fazit

Nach einigen Monaten im Einsatz hat das Kleinlöschfahrzeug bereits viele Einsatzfahrten gemeistert und hat sich – entgegen der anfänglichen Skepsis bei einigen Mitglieder – sogar wirklich bewährt. Das Manko „Strom“ besteht natürlich weiterhin, aber für viele kleine Hilfeleistungen und als „Begleitung“ bei anderen Einsätzen konnte der flotte Sprinter inzwischen überraschend gut punkten. Für ein universelles und vor allem autarkes Kleinfahrzeug für verschiedenste Anlässe fehlt dem KLF aber dann leider dann durchaus noch einiges an Stauraum. Hier wird die beabsichtigte Anhebung auf 7,5 Tonnen Fahrzeuge für die nächsten Feuerwehren vermutlich Vorteile und mehr Flexibilität mit sich bringen.

Für die Feuerwehr Alkoven ist es dennoch eine gute Ergänzung zu den großen Lkw-Fahrgestellen. Mit dem Kleinlöschfahrzeug steht nun erstmals ein taktisches Einsatzfahrzeug der kleineren Sorte zur Verfügung, das nach einer internen Schulung und Prüfung aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen auch mit dem klassischen B-Führerschein (Pkw) gelenkt werden darf. Es bedarf bei kleineren Hilfeleistungen nun nicht mehr zwingend immer einen Lenker mit Lastwagenführerschein.

Servus nach München

Durch absoluten Zufall bzw. der einfachen Nachfrage, als er das Fahrzeug gesehen hat, hat es sich ergeben, dass das alte LFB-A1 etwa einen Monat vor Indienststellung des neuen Kleinlöschfahrzeuges bereits verkauft worden ist. Aufgrund der für beide Seiten guten Konditionen wurde es dem neuen Besitzer sogar in die bayrische Landeshauptstadt zugestellt. Ein leises Servus zum Schluss, das man dort wie da auch verstanden hat.

Servus den 6-Zylindern

Auch zu den 6-Zylindern noch ein Hinweis: Mehrere Hersteller verabschieden sich nach und nach von den 6-Zylinder-Motoren bzw. bauen diese nur mehr vereinzelt in den Luxusausführungen von Fahrzeugen ein. Hintergrund für den Zylinderschwund sind die Spritsparbemühungen der Hersteller. Weniger Zylinder bedeuten weniger Reibung und weniger Gewicht – in der Folge sinkt der Verbrauch deutlich.

Um den Leistungsverlust durch den kleineren Hubraum auszugleichen, halten Turbolader und Kompressoren in großem Stil Einzug. N-tv.de schreibt zu diesem Thema allgemein: «Das langsame Verschwinden des Sechszylinders in Autos jenseits der Ober- oder Sportwagenklasse mag der ein oder andere Autofahrer bedauern. Vor allem bei Laufruhe und kultivierter Kraftentfaltung sind Sechszylinder von Vierzylindern kaum zu schlagen. Doch ärmliche Spaßbremsen sind die neuen Turbos auch nicht. Dank der Aufladung entfalten sie ihre Kräfte schon deutlich früher, ebenso souverän und viel sparsamer. Für die Hersteller sind sie zudem die einzige Lösung, die künftigen EU-Vorgaben zum Flottenverbrauch einzuhalten. Mit den großen Sechsendern der vergangenen Generationen wäre das kaum zu machen.»

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