18.04.2014: Feuerwehr hängt in den Wänden der Burgruine

Am Karfreitag standen die Höhenretter der Freiwilligen Feuerwehr Alkoven zusammen mit Feuerwehrleuten der FF Hartkirchen auf der Ruine Schaunburg im Einsatz. Nicht jedoch, um dort vielleicht Ostereier an außergewöhnlichen Plätzen zu verstauen, sondern zum Schutz vor dem Verfall der Burg durch Pflanzenwuchs.

Von Hermann Kollinger


Klickende Karabiner, ein langsam entlang einer Wand sich abseilender in roter Uniform gekleideter Feuerwehrmann, der eine Axt oder auch eine Motorsäge in der Hand hält. Er steht über ein oder zwei lange Seile in Verbindung mit einem weiteren, gleich gekleideten Mann – nur 10 oder an anderer Stelle auch 20 Meter weiter oben. Ihn sieht man vom Boden nur recht klein… Dieses Szenario bot sich Besuchern der Ruine Schaunburg in Hartkirchen im Bezirk Eferding. Anlass dafür war ein nicht unbedingt alltäglicher Feuerwehreinsatz Feuerwehreinsatz an diesem Burggelände.

Gewächse sprengen Mauerwerk

Die Ruine Schaunburg ist nicht nur ein Stück Zeitgeschichte, sondern auch Ausflugsziel für viele Interessierte. Auch bietet das Bauwerk – was man vielleicht nicht vermuten mag – vielen Tieren einen Zufluchtsort. Bequem machen es sich dort jedoch auch sehr viele Gewächse im Mauerwerk. Das Wurzelwerk führt in weiterer Folge zum Aufsprengen des Mauerwerks und zum Abbröckeln desselbigen. Aus diesem Grund wurde die örtlich zuständige Freiw. Feuerwehr Hartkirchen von der Behörde ersucht, mit Unterstützung der Höhenrettergruppe der Feuerwehr Alkoven tätig zu werden und die Gewächse auf den unzugänglichen Mauerwerken zu entfernen und so zumindest einen kleinen Beitrag zur Haltbarkeitsverlängerung zu leisten. Am Karfreitag, 18. April 2014, rückten die beiden Feuerwehren am Nachmittag aus. Die Hartkirchner Feuerwehrleute nahmen Arbeiten in Bodennähe vor, während für die  Höhenretter-Crew der Alkovener Wehr die Arbeit in teilweise recht luftiger Höhe vorgesehen war.

Vertrauen in Mannschaft und Gerät nötig

Doppelt gesichert hieß es oft erst einmal Steinwände von 10, 15 Metern oder mehr zu erklettern und dort dann mit Axt und Säge das Pflanzenwerk zu entfernen. In anderen Fällen ging es wieder abwärts in Richtung Burggraben, um dort ebenfalls aus dem Mauerwerk ragende Gewächse zu entfernen. Und die Herausforderung dabei war nicht ohne. „Es mag ja für den Zuseher oft nicht so hoch wirken“, schildert Harald Unter, Leiter der Höhenrettergruppe. „Hängt man dann jedoch selber im Seil und  muss freihängend dann noch mit einer Axt oder gar einer Motorkettensäge arbeiten, ist das häufig nicht ohne und dann merkt man, wie weit es nach unten geht!“ „Hier ist es erforderlich, seinem Partner und auch dem eingesetzten Gerät voll und ganz zu vertrauen“, ergänzt der erste Kommandant-Stellvertreter der Feuerwehr Alkoven, Markus Unter, der ebenfalls im Team der Höhenrettergruppe aktiv ist und selber im Seil hing.
Hinzukommt auch die körperliche Herausforderung. Was für den Beobachter locker und einfach wirken mag, bedeutete für den arbeitenden Höhenretter teilweise körperliche Hochbelastung. „Da kam man trotz moderater Temperaturen an diesem Tag schon gehörig ins Schwitzen“, schließt  Michael Meindlhuemer an.

Fotos - Teil 1


Big Shot getestet

Der Großteil der Ausrüstung der Höhenrettergruppe ist vom Katastrophenschutz des Oö. Landes-Feuerwehrverbandes finanziert, da es sich hierbei um einen Stützpunkt handelt, der nicht nur örtlich, sondern auch überörtlich zum Einsatz kommt. Kleinere Ausrüstungsgegenstände werden jedoch immer mal wieder ergänzend von der örtlichen Feuerwehr beschafft. Getestet wurde im Zuge dieses Burgeinsatzes auch ein sog. „Big Shot“. „Dabei handelt es sich im Grunde einfach um eine große Steinschleuder“, schildert Höhenretter Michael Baumann. „Diese haben wir uns von einem Feuerwehrkameraden, der im Bereich des Geocaching aktiv ist, ausgeliehen. Das simple, aber effiziente Gerät leistete hier tolle Dienste. So konnte bei anders nicht erreichbaren Mauerwerken ein kleines Seil über den Burgteil geschossen und dann ein größeres Seil nachgezogen werden“, so Baumann weiter. Aufgrund der Erfahrungen auf der Ruine Schaunburg wird dieser Kleinteil noch auch in das Equipment der Alkovener Höhenrettergruppe aufgenommen.

Beitrag zur Erhaltung von Kulturgut

Unter den Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr Hartkirchen befand sich auch der erst im Jänner neu gewählte Bezirks-Feuerwehrkommandant Thomas Pichler. Er ist jedoch nicht nur Funktionär, sondern versteht es weiterhin, ordentlich anzupacken. Pichler: „Mit diesen, in der Öffentlichkeit meist nicht wahrgenommenen Arbeiten leistet die Feuerwehr somit sogar einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung unserer Kulturguts“.
Den Auftraggeber vertretend ließ es sich auch der Eferdinger Bezirkshauptmann, Dr. Michael Slapnicka, nicht nehmen, die Arbeiten der Feuerwehr auf den Mauerwerken vor Ort zu verfolgen. „Ich bin froh, dass sich die Feuerwehrleute aus Hartkirchen und Alkoven die Zeit genommen haben, diese Tätigkeit für die Allgemeinheit zu übernehmen. Ich hätte sonst nicht gewusst, wie wir diese notwendigen Maßnahmen auch entsprechend kostenschonend durchführen hätten können!“

Zweiter Arbeitseinsatz dieser Art

Bis ca. 17.00 Uhr waren die Einsatzkräfte mit den Arbeiten beschäftigt. Es war nach 2013 der zweite, fortführende Einsatz dieser Art auf der Ruine Schaunburg im Gemeindegebiet von Hartkirchen, Bezirk Eferding. „Natürlich handelte es sich hierbei nicht um den klassischen Einsatz einer Höhenrettergruppe“, resümieren Gerald Ehrengruber und Erwin Göttfert nach getaner Arbeit. „Aber es ist ein unheimlich gutes Training für den realen Einsatz. Und Übung bedarf es wirklich viel in diesem Tätigkeitsbereich. Schlussendlich will man schon absolut sicher sein, dass mein Sicherungsmann weiß, was er macht, wenn ich in der Wand hänge“.

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Fotos - Teil 2

 

 

 

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