A-Boot

Nahezu drei Jahrzehnte lang stand das alte Arbeitsboot bei der Feuerwehr Alkoven im Einsatz. Der Austausch wäre bereits seit einiger Zeit auf dem Programm gestanden, wurde jedoch intern aufgrund gewünschter Anpassungen der derzeitigen Boote dieses Typs mehrfach aufgeschoben. Am 5. Dezember 2014 schlussendlich erfolgte die Indienststellung des Nachfolgemodells.


Wie alle anderen Boote der Feuerwehr Alkoven, handelt es sich auch beim Arbeitsboot, kurz A-Boot, um ein Stützpunktgerät des Katastrophenschutzes des Oö. Landes-Feuerwehrverbandes. Das heißt, die das Wasserfahrzeug wird vom Katastrophenschutz gekauft und dann zur jeweiligen Stützpunktfeuerwehr verlagert. Die jeweilige Gemeinde bzw. Feuerwehr ist dann lediglich zum Erhalt des Gerätes verpflichtet, während die Anschaffungskosten vom Landes-Feuerwehrverband getätigt werden. Im Fall der FF Alkoven gilt dies auch für das Rettungsboot, das Schlauchboot als auch das Kranfahrzeug.

Austausch mehrfach verschoben

Das Austauschprogramm der A-Boote durch den Katastrophenschutz läuft bereits seit einigen Jahren. Auch das Boot der FF Alkoven wäre aufgrund seines fortgeschrittenen Alters schon mehrfach dafür vorgesehen gewesen. Auf Wunsch der Verantwortlichen in der Wehr wurde dies jedoch immer wieder verschoben. Der Grund: Die bislang ausgelieferten Typen haben einige Merkmale, die auf die Bedürfnisse in Alkoven nicht passend waren. Ein maßgebliches Argument war, dass die Ölsperren, die auf Rollen gelagert sind, aufgrund der Sitzbänke nicht in das Boot passen würden. Ebenso haben die anderen Boote aufgrund der Kielform einen entsprechenden Tiefgang. Sie eignen sich zwar ausgezeichnet für den Betrieb auf einem See oder Fluss, jedoch nur bedingt für den Hochwassereinsatz.

Modellüberarbeitung mit Auflage

Nach der Einrichtung einer Arbeitsgruppe sowie zahlreichen Planungsbesprechungen wurden die Wünsche an den Landes-Feuerwehrverband herangetragen. Natürlich ist es kaum möglich, ein laufend produziertes Modell wegen vermeintlicher „Extrawürste“ nun für eine Feuerwehr alleine anzupassen. So kam das Entgegenkommen, man würde sich das näher ansehen, sofern sich mehrere Feuerwehren finden, die ebenfalls auf dieses Konzept aufsteigen würden.  „Recht schnell fündig wurde man dann recht schnell bei den Feuerwehren Landshaag, Ottensheim und Walding“, schildert Alkovens Feuerwehrkommandant Abschnittsbrandinspektor Markus Wieshofer. Diese Wehren sind auch im Einsatzfall auf der Donau mit der Alkovener Feuerwehr sehr verbunden. „Dank einer sehr guten Gesprächsbasis fanden diese Optimierungsvorschläge guten Anklang und wurden auch umgesetzt.“ Nach der Auslieferung des Neulings an die Freiwillige Feuerwehr Ottensheim war das Modell der Alkovener Feuerwehr dann die Nummer 2.

Neuer Kiel und klappbare Bänke

Die markanten Änderungen liegen im Bereich des Kiels und der klappbaren Bänke. Letztere schaffen vor allem den für die Ölsperren-Rollen erforderlichen Platz. Diese werden im Einsatz- und Übungsfall mit dem Kranfahrzeug ins Boot gehievt, zum Einsatzort gebracht und dann ausgerollt. Für den Einsatzanlass bei Hochwasser ist nun der abgeflachte Kiel sehr ausschlaggebend für einen deutlich kleineren Tiefgang des aus Aluminium gebauten Bootes. Warum das von Bedeutung ist? Je weniger Tiefgang,  umso leichter lässt sich das Boot in überfluteten Regionen, wo man – bekanntlich meist unwissentlich – über Gartenzäune, Verkehrsschilder usw. fährt und dann nicht so schnell Dinge abrasiert, die man lieber stehen lassen möchte. Letzteres kommt auch einer Nichtbeschädigung des Bootes zugute. „Erste, gleich am ersten Tag auf der Donau durchgeführte Schulungsfahrten zeigten auch, dass das Fahrverhalten (Kurvenhaftung) trotz des flachen Kiels und Dank nach wie vor ausgezeichnet ist. Einige Verstrebungen an der Unterseite des Bootes tragen auch dazu bei“, erklärt Brandinspektor Martin Burger, Kommandant des Katastrophenschutzzuges der Alkovener Feuerwehr.  Ein 135 PS starker Honda-Motor sorgt für den erforderlichen Antrieb. Damit dieser auch treibstofftechnisch reibungslos abläuft, stehen zwei Tragetanks (jeweils 20 Liter) variabel über einen 3-Wegehahn schaltbar zur Verfügung.

Hydraulische Bugklappe und Beleuchtung

War die alte Bugklappe manuell zu bedienen, kann dies beim neuen Modell hydraulisch vom per Planenverdeck witterungsgeschützten Steuerstand als auch direkt bei der Klappe bedient werden. Diese Einrichtung ist vor allem bei Belade- und Entladevorgänge sehr erleichternd. Hier ebenso von Vorteil ist der blendfreie Anti-Rutsch-Belag am gesamten Bootsboden. Letzterer lässt sich übrigens per LED-Lampen komplett und energiesparend ausleuchten, was eine weitere Errungenschaft gegen das alte Arbeitsboot ist. Fünf LED-Scheinwerfer erlauben eine Ausleuchtung des direkten Arbeitsbereiches des neuen Wasserfahrzeuges in alle Richtungen.

Tauchereinstieg

Das während der Ruhezeit auf einem Tandem-Anhänger aufgepackte A-Boot kommt immer wieder bei Taucheinsätzen zum Tragen. Zudem führt die Feuerwehr Alkoven ja selbst auch eine Tauchergruppe. Bislang war es oft schwer, die Froschmänner wieder ins Boot aufzunehmen. Meist mussten diese über die Bugklappe ins Boot gezogen werden. Auch hier erfolgte im Gegensatz zu den anderen Modellen eine Verbesserung: Eine ausklappbare Leiter samt kleinem Standpodest machen links und rechts am Bootsheck einen reibungslosen Einstieg der Taucher möglich. Zusätzlich dient diese Vorrichtung nebenbei auch als Anfahrschutz für den Motor.

GPS-Echolot und mehr

Als Navigationshilfe steht ein Lowrance Echolot-Kombinationsgerät am Steuerstand zur Verfügung. Hier lässt sich jeweils die aktuelle Position als auch die exakte Donaukilometrierung ablesen. Ein im Hauptsteuerstand verbautes Fahrzeugfunkgerät sorgt für das entsprechende Kommunikationsmittel. Selbstverständlich wurde auch an eine mögliche Brandbekämpfung aus dem Boot heraus gedacht. Zu diesem Zweck verfügt das A-Boot auch über einen Ansaugstutzen für eine Tragkraftspritze.  Große Anzahl von Scheuerleisten rund das Boot sollen das Wasserfahrzeug möglichst lange schadensfrei halten. Links und rechts vorne an den Ecken/Kanten wurde die Alukonstruktion zudem verstärkt, da in vielen Fällen mit den vorderen Bootsecken angelegt wird und somit auch eine erhöhte Schutzfunktion erwirkt werden soll. Ein Schlepphaken mit Sicherheitsauslöseeinrichtung rundet das Equipment des neuen Wasserfahrzeuges schlussendlich ab.

Rasante Einschulung

Eine Woche vor dem Austausch des A-Bootes stand mit dem alten Modell noch eine letzte Nostalgiefahrt am Programm. Diese bleibt den Teilnehmern durchaus in Erinnerung, mussten sich doch wegen eines behebbaren Defektes kurz nochmals vom Motor auf manuellen Betrieb per Ruder wechseln. Es sollte dann auch tatsächlich die letzte Ausfahrt bleiben, denn mit dem Erhalt des neuen Arbeitsbootes am 5. Dezember 2014 wurde das Vorgängermodell an den Landes-Feuerwehrverband zurückgegeben.
Wie auch immer. Um jedenfalls mit der Handhabung des Neulings möglichst rasch vertraut zu werden, wurden am gleichen Tag bzw. einen Tag darauf gleich die meisten Schiffsführer in drei Ausbildungseinheiten mit dem Umgang des Bootes in Theorie und Praxis geschult.

Einige Bilder vom Nachtbetrieb während einer Nachtfahrt finden Sie hier.

Bilder

 

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