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HILFE FÜR DIE HELFER |
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Einige Gedanken von Kora Weinknecht |
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„Piieepp, piieepp, piieepp“, da war es wieder, dieses Geräusch das mein Piepser von sich gab, wenn es mal wieder Zeit war für einen Einsatz. Es war vier Uhr Früh und ich hatte seit dem letzten Einsatz nur ca. eine halbe Stunde geschlafen. Und nun wurden wir wieder zu einem Einsatz gerufen. Das hieß also ab ins Auto und ein paar Minuten später waren wir auch schon auf dem Weg Richtung Einsatzort. Uns wurde auch gleich per Funk durchgegeben, worum es sich handelte. „2-19
einsatzmäßig Richtung Olympiabrücke – Mensch in Notlage.“ Mensch in
Notlage war ein Satz den ich wirklich hasste, denn er sagt absolut nichts darüber
aus, um was für einen Einsatz es sich handelt. Das konnte nun wirklich alles
sein. Als wir den Einsatzort erreichten, war die Feuerwehr und Polizei schon vor
Ort. „Wir
versuchen gerade die Tür aufzubrechen, aber die scheint ziemlich massiv zu
sein“, erklärte uns einer der Feuerwehrmänner. Mein Fahrer drehte sich zu
mir um und meinte: “Nimm mal den Defi und den Notfallkoffer mit. Ich fordere
einstweilen den Notarzt und den Einsatzleiter an.“ Vollbepackt kam ich wenige
Minuten später zur Tür, die immer noch ungeöffnet war, und stellte alles ab. „Wer
hat uns denn eigentlich angefordert?“, fragte mein Fahrer einen der Feuerwehrmänner,
die immer noch hart am arbeiten waren. „Die junge Frau dort drüben, die
gerade mit dem Polizisten spricht!“, er deutete in die entsprechende Richtung. Kurze
Zeit darauf traf der Einsatzleiter ein und gab der Feuerwehr die Anweisung durch
ein Fenster einzusteigen, wenn die Tür ein solches Problem darstellte. Also
stiegen drei Feuerwehrmänner über eines der Fenster ein und an dem
erschreckten: „Oh mein Gott“, war mir sofort klar, daß sich dort drinnen
tatsächlich ein Mensch in Notlage befand. Die Feuerwehrmänner öffneten uns
von innen die Türe und da bot sich uns ein nicht gerade angenehmes Bild. Auf
der Couch lag ein junger Mann, weiß wie die Wand, der offensichtlich einen
Selbstmordversuch hinter sich hatte. Er hatte versucht sich die Pulsadern und
die Halsschlagader auszuschneiden und er hatte auch ganz gut getroffen, denn der
blutete stark. Mein Fahrer und ich stürzten zu ihm und begannen mit der
Erstversorgung. Wir legten Verbände an, sprachen mit ihm und erklärten ihm
alle Maßnahmen, wobei von ihm eigentlich keine Reaktion mehr kam. Kurze Zeit
darauf draf der Notarzt ein und setze die weitere Versorgung fort. Soweit hatten
wir ihn dann auch stabil und wollten ihn von der Couch auf die Trage umlagern,
womit er aber ganz und gar nicht einverstanden war und sich wie wild zu wehren
wusste. Mit seiner Faust draf er mein linkes Auge, was mir noch Tage danach
ziemlich weh tat. Schließlich hatten wir ihn aber doch so weit beruhigt, dass
wir ihn ohne Probleme ins Krankenhaus mitnehmen konnte, wo er dann weiter
versorgt wurde. Nach
diesem Einsatz folgten in dieser Nacht keine weiteren mehr und eigentlich wäre
ich müde gewesen und hätte noch ein wenig schlafen können, bevor der
Universitätsalltag wieder anfing, aber ich konnte nicht. Sobald ich meine Augen
schloss kam dieses Bild zum Vorschein, dieser junge Mann, der auf der Couch lag,
das Blut von seinen Armen fließend ... Ich
muss auch heute, und seither ist doch einige Zeit vergangen, immer wieder an
diesen Einsatz denken. Es blieb leider nicht mein einziger Einsatz bei dem sich
ein Mensch das Leben nehmen wollte. Aber seit diesem Einsatz frage ich mich
allerdings immer wieder: “Wer hilft eigentlich uns Helfern?“ Die Bevölkerung
verlässt sich darauf, dass Feuerwehr und Rettung immer einsatzbereit sind, dass
wir da sind, wenn sie uns brauchen. Und das sind wir, ob es draußen stürmt und
scheint, wir sind da, und das rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr. Aber wir
Helfer haben auch Gefühle. Auch wenn wir am Einsatzort erst mal so schnell wie
möglich unserer „Arbeit“ machen, so gehen die wenisgten Einsätze spurlos
an uns vorüber. Wer hilft nun uns Helfern, solche Einsätze, wie ich ihn erlebt
habe, zu verarbeiten? Wer
ist für uns Helfer da, wenn wir einmal HILFE brauchen? |