Finanzengpass in den Gemeinden - wie geht's weiter?

   

Die finanziell rosigen Zeiten gehören in den meisten Gemeinden längst der Vergangenheit an. Der Sparkurs erwischt alle. Ausnahmslos. Er macht auch vor den Feuerwehren nicht halt. Nur - wie geht's weiter? Müssen sich die Feuerwehren bald alle selbst erhalten oder für die Hilfe, die sie leisten, Mitgliedsbeitrag zahlen?

Freie Gedanken zum Thema Finanzen, Motivation und Freiwillige Feuerwehr insgesamt von Hermann Kollinger, FF Alkoven - 22.03.2004
 



Das Freiwillige Feuerwehrsystem - ein System, das sich lange bewährt hat und aufgrund der enormen Personalkosten von Berufsfeuerwehren auch heute noch in manchen Ländern versucht wird, aufzubauen, weil der finanzielle Sparkurs vor niemanden Halt macht. Und trotz dieses freiwilligen Engagements, das ein Finanzpensum einspart, dass vielen gar nicht bewusst ist, wird mehr und mehr versucht, auch die Feuerwehren auf Sparflamme zu setzen.

Menschen wie du und ich
Das System der Freiwilligen Feuerwehren besteht zwischenzeitlich länger als 100 Jahre, so wurde die FF Alkoven bereits im Jahr 1882 gegründet, um der Bevölkerung im Brand- oder Katastrophenfall zu helfen. War der Name "Feuerwehr" damals noch passend, steht diese Bezeichnung heute - 2004 - für eine Einsatzorganisation, die in allen möglichen und unmöglichen Bereichen gerufen wird und von der man als Hilfesuchender professionelle Hilfe erwartet, egal, wie schwierig die Situation auch ist oder ob die Mannschaft jemals schon mit einem derartigen Problemfall konfrontiert war. Und niemand denkt in den Momenten dann daran, dass es Freiwillige sind, die wenige Minuten nach dem Notruf zur Stelle sind. Freiwillige, die genau so Familien und Freunde haben, mit denen diese Menschen ihre Freizeit verbringen. Menschen, die auch ihrem Berufsleben nachgehen und dort ihren Unterhalt verdienen. Menschen, die - wenn die Alarmsirene heult oder der Personenrufempfänger piepst, alles Stehen und Liegen lassen, um wenige Minuten später zu helfen.

Gründe, das zu tun
Wie man sich vorstellen kann, haben diese Leute, die sich in den Dienst der Feuerwehr stellen, verschiedene Gründe, dies zu tun. Einerseits bietet das Feuerwehrwesen interessante Technik aber andererseits ist es das gute Gefühl, das sich ausbreitet, wenn man in einem wirklichen Notfall geholfen hat. Das Gefühl, wenn die seltene Begebenheit vorkommt, dass sich jemand aus ganzem Herzen bedankt, dass man ihn gerettet, ihm geholfen hat. Und natürlich ist es auch die Runde der Kameradschaft und der Freunde, die man auf diese Weise gewinnt. Wenn es natürlich auch in der Feuerwehr immer wieder welche gibt, die gegen den Strom zu schwimmen versuchen. Eben auch nur Menschen!

Faktor "Motivation"
Worauf soll diese Einleitung nun hinauszielen? Sie soll eines aussagen: Die Feuerwehr bzw. die Feuerwehrleute leben von einem wichtigen Faktor, nämlich der Motivation! Motivation, diese Arbeit neben seinem Beruf und neben dem familiären und freundschaftlichem Leben zu erledigen! Immer wieder reihen sich natürlich Faktoren dazwischen, die der Motivation einen Dämpfer geben. Seien es Aussagen von Außenstehenden, die mit ihrem "Wissen" die Arbeit der Feuerwehrleute schädigen, für sich selbst einen Vorteil herausholen wollen, nur reden und selbst nichts für die Allgemeinheit beitragen oder auch vielleicht der Meinung sind, man könne die Hälfte des "Spielzeuges der Feuerwehr" sowieso alles einsparen etc. etc. Mit derartigen Aussagen haben die Feuerwehrmitglieder vielfach leben gelernt, andernfalls würde es die Freiwilligen Feuerwehren oft gar nicht mehr geben, weil keine der Wehren vor solchen Attacken verschont ist. Und unterhält man sich mit vielen Mitgliedern, so bestätigt sich diese Vermutung. Und dann hört man, man wird mit anderen Freizeitvereinen verglichen, ohne dass dabei daran gedacht wird, dass von diesen niemand um 2 Uhr nachts aus dem Bett gerissen wird, sich die halbe Nacht im Einsatz um die Ohren schlägt und dann "munter" wieder zur Arbeit geht.

Feuerwehren sorgen für Budgetentlastung!
Der einleitend angesprochene Finanzengpass in vielen Gemeinden wirft in zunehmenden Ausmaß auch seine Schatten auf das Feuerwehrwesen. Unter den zahlreichen und vielfältigen Einsätzen einer Feuerwehren mischen sich naturgemäß auch kostenpflichtige Hilfeleistungen, die verrechnet werden. Mit diesen Einnahmen fahren die Feuerwehrleute jedoch nicht in Urlaub oder erhalten gar eine finanzielle Entschädigung. Weit, sehr weit gefehlt.
Seit eh und je werden diese Einnahmen in der Feuerwehr Alkoven zur Aufrechterhaltung des doch nicht mehr ganz kleinen Betriebes - dessen Ausrüstung übrigens in der Brandbekämpfungsverordnung festgelegt und somit gesetzlich vorgeschrieben ist - herangezogen. Bekleidung wird angekauft, Service- und Wartungsverträge für die Fahrzeuge (z.B. Drehleiter und Kran) werden abgedeckt, Geräte werden angekauft und so weiter. Damit wird das Budget der Gemeinde Alkoven bedeutend entlastet! Diese Aussage wurde bereits bei mehreren öffentlichen Kassenprüfungen, an der auch die Vorstände der Parteien eingeladen waren, unter Beweis gestellt. D.h. die Einnahmen kommen ausschließlich wieder für Feuerwehrzwecke und somit der gesamten Bevölkerung zugute!
Mit den zunehmenden Finanzlöchern in den Gemeinden wird nun jedoch mehr und mehr versucht - und meist bleibt es nicht bei Versuchen, sondern es wird in die Praxis umgesetzt - den Feuerwehren zunehmend finanzielle Belastungen zuzuteilen. Es rückt also mehr und mehr in die Richtung, dass sich die Feuerwehren selbst erhalten sollen. Gesetzlich gesehen obliegt die Aufrechterhaltung des Feuer- und Katastrophenschutzes direkt bei den Gemeinden. Bis zu einem gewissen Ausmaß ist es aber durchaus kein Problem, diese finanziellen Belastungen - soweit sie halt auch möglich sind - zu übernehmen und somit zusätzlich zum Sparen beizutragen.

Ersatz von Einsatzfahrzeugen
Geht es jedoch dann um Fahrzeugbeschaffungen oder den Ersatz von alt gedienten Einsatzfahrzeugen kommt eine Gemeinde nicht herum, auch ihren finanziellen Beitrag dazu zu leisten! Und sieht man das Feuerwehrwesen realistisch, dann sieht die Praxis auch so aus, dass sich die meisten Gemeinden auch ihrer Einsatzfahrzeuge bedienen bzw. Mitglieder der Feuerwehren halt ersucht werden, diese oder jene Gemeindeangelegenheit zu übernehmen (sei es die Beistellung der Drehleiter für div. Montagearbeiten, Beistellung des Tanklöschfahrzeuges für Reinigungsarbeiten etc.). Und primär kommen die Einsatzfahrzeuge natürlich der Bevölkerung der Gemeinde zugute. 

25 bis 30 Jahre sollten genug sein, oder?
Aber zurück zur "Motivation". Natürlich ist die Ausrüstung einer Feuerwehr eine Motivation. Motivation, dies anstehenden und zukommenden Aufgaben noch besser und vor allem effizient bewältigen. Niemand im zivilen Leben fährt mit einem 25 oder 30 Jahre alten Pkw durch die Gegend (sieht man von Oldtimern ab) und niemand arbeitet mit einem PC, der 30 Jahre alt ist. Alles hat seine Lebensdauer und die Nutzungsdauer von Feuerwehrfahrzeugen stieg der Zwischenzeit von offiziellen 15 Jahren (inoffiziellen 20) auf mindesten 25 Jahre an. Nach frühestens 25 Jahren besteht derzeit die Möglichkeit, auf eine Ersatzbeschaffung anzusuchen, sofern die Gemeinde dies auch unterstützt.
Die Verantwortlichen in den Feuerwehren, sprich das Kommando, sind - was zumindest für Alkoven auf jeden Fall behauptet werden kann - sehr bemüht, die Kosten für die öffentliche Hand möglichst gering zu halten. Bevor Anschaffungen maßgebliche Anschaffungen getätigt werden, wird gründlich überlegt, verglichen und auch die eigenen Finanzmöglichkeiten in Betracht gezogen.
Nichts desto trotz bleibt es dennoch gelegentlich nicht aus, dass - primär bei Fahrzeugbeschaffungen - auch die öffentliche Hand bzw. die Gemeinde in den "sauren Apfel" beißen muss, um diese oder jene Investition zu tätigen. Selbstverständlich ist es oftmals nicht leicht, Entscheidungen über finanzielle Angelegenheiten zu treffen, über deren Inhalt man fachlich vielmals nicht intensiv informiert ist. Aber getätigt müssen sie dennoch werden, um den weiteren Betrieb weiterhin im gewohnten Ausmaß aufrecht zu erhalten.
Nach 25 bis 30 Jahren Feuerwehrdienstzeit sind die Fahrzeuge reif für den Austausch. Die Technik hat sich in dieser Zeit massiv geändert und die finanziellen Umstände werden nicht mehr besser. Heute werden Einsatzfahrzeuge in Oö seitens des Landes-Feuerwehrverbandes sowie der sog. Bedarfszuweisungsstelle (Land) massiv gefördert, so dass für die Gemeinden lediglich noch ein Bruchteil der ursprünglichen Anschaffungskosten übrig bleiben. Aber diese Restkosten bleiben einfach nicht aus. Einen Brand- und Katastrophenschutz zu führen, der überhaupt nichts kostet, ist nicht möglich. Der größte Kostenfaktor, nämlich das Personal, kann nicht eingespart werden, denn er besteht gar nicht!

Geringere Beihilfen in der Zukunft
Die Zukunft in diesem Bereich schaut düster aus. Seitens der Beihilfestellen wird in den nächsten Jahren mit einem deutlichen Einbruch der Beihilfen gerechnet. Auf die Gemeinden werden somit noch höhere Restkosten zukommen. Während die politisch Verantwortlichen diese Sorgen noch abwälzen können und einen Ankauf vielleicht einfach ablehnen, werden sich die Freiwilligen Feuerwehrleute mit noch höheren Instandhaltungskosten konfrontiert sehen. Das eine oder andere Einsatzfahrzeug wird vielleicht nur noch für absolute Notfälle herangezogen werden oder verschiedene "Bürgerdienste" (also Anlässe, die nicht absoluter Notfall sind) einstellen müssen.

Mitgliedsbeitrag für's Helfen?
Wie werden sich all diese Dinge in Zukunft auf die Motivation der Feuerwehrmitglieder auswirken? Lob alleine reicht für einen erfolgreichen, verantwortungsvollen Einsatz einfach nicht aus. Was hilft die mentale Motivation, wenn die Ausrüstung von "gestern" ist und die Hilfe jedoch dem Stand von heute entsprechen soll?
Bleibt zu hoffen übrig, dass die Freiwilligen bei der budgetären Entwicklung in den Gemeinden in Zukunft nicht auch noch "Mitgliedsbeitrag" zahlen müssen, um für andere die rasche Hilfe bringen zu "dürfen".
Oder kommen Zeiten auf uns zu, wo eine Wehr standardmäßig (also nicht beim Großereignis) 15 - 20 km Anfahrtsweg zum brennenden Gebäude oder zur eingeklemmten Person ausrückt? Bis heute hat Österreich eines der dichtesten Rettungsnetze, das im Mammutanteil aus Freiwilligen besteht. Freiwillige, die (noch?) motiviert sind. Nicht umsonst versuchen die reinen "Berufsfeuerwehrländer" spät - aber doch - den Weg zu einem Netz aus Freiwilligen Feuerwehren zu finden. Ein Netz, das sich bewährt hat!

Aufruf an die Politik: Motivation erhalten
Es gilt daher doch für alle politisch Verantwortlichen zu überlegen, diesen Motivationsgeist auch weiterhin aufrecht zu erhalten und zumindest für eine zeitgemäße Ausrüstung der Feuerwehren zu sorgen. Eine Aufgabe, die durchaus schwierig sein mag.
Nur: Die Arbeit erledigen die Einsatzkräfte kostenlos - das dafür notwendige Gerät sollten sie dann dennoch zur Verfügung gestellt bekommen! Und wie zwar ein Slogan des Bundesheeres heißt, aber auch hier seine Berechtigung hat: "
Sicherheit hat ihren Preis"
Und vergleicht man diesen Preis mit vielen anderen Ausgaben des öffentlichen Lebens bzw. der Gemeinden, so ist dieser nicht wirklich so hoch, dass er unfinanzierbar werden würde. Denn billiger als ein Freiwilliges System ist nur eines: Kein System...
Die Feuerwehren sind heute schon mit genügend anderen Problemen behaftet (hohe, persönliche Verantwortung im Einsatzdienst, Freistellung vom Einsatzmann im Beruf, Wirtschaftsneid....) - da bedarf es eigentlich nicht zusätzlicher Schwierigkeiten!
Wenn es darum geht, ob dieses oder jenes die Feuerwehr übernehmen soll, wird dies als selbstverständlich angesehen und nicht lange überlegt, ob sie das vielleicht gar nicht will...

 

Kommentar
Auf diesen Beitrag erhielt die FF Alkoven einen Gästebucheintrag vom Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Kuchl, Rupert Unterwurzacher, der hier mit seinem Einverständnis als Ergänzung dienlich sein soll:


Sehr geehrte Mitglieder der FF Alkoven!
Ich habe mit sehr großem Interesse in der Rubrik "Zum Nachdenken" den Beitrag "Finanzengpässe" gelesen und durfte feststellen, dass wenige zuvor die Beschreibung über die Motivation von freiwilligen Feuerwehrleuten so treffend formulierten. Man nimmt allgemein an, dass Gemeindepolitiker die erforderliche Intelligenz besitzen, dass sie sich dessen bewusst sind, dass es ihre gesetzliche Aufgabe ist, für die Ausrüstung von Feuerwehren entsprechend den landesgesetzlichen Bestimmungen  zu sorgen.
Das heißt wiederum, dass es Aufgabe der Sachverständigen der Feuerwehren ist, entsprechende Vorschläge an die Gemeindevertretung zu tätigen und dessen Aufgabe die Finanzierung von diesen notwendigen Vorschlägen ist. Wie gesagt, man müsste annehmen, dass sich die politischen Verantwortlichen ihrer gesetzlichen Aufgabe bewusst sind - obwohl man nicht immer den Eindruck dafür hat.