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Landwirtschaftliche
Fahrzeuge prägen zu allen Jahreszeiten – vermehrt jedoch im Herbst – das
Straßenbild in den ländlichen Regionen. Die technische Ausführung sowie
die Dimension der Geräte haben sich massiv verändert. Die Kombination
eines Verkehrsunfalls mit einem landwirtschaftlichen Gerät und einem
Auto, in dem eine Person eingeklemmt ist, hat die Feuerwehr Alkoven als
Ausgangslage für eine technisch orientierte Einsatzübung mit
Schulungscharakter herangezogen. |
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Regennasse und durch Laub rutschige Fahrbahnen sowie Sichtbehinderungen
durch Nebel – ein typisches Szenario im Herbst eines jeden Jahres. Viele
Landwirte sind unterwegs, um ihre Felder zu bearbeiten. Zu diesem Zweck
müssen sie häufig Landes- und Bundesstraßen benutzen, um die Grundstücke
zu erreichen. Mit den teilweise vorhandenen Überbreiten der schweren
Geräte der neuen Generation ergeben sich vor allem bei schlechten
Witterungsbedingungen nicht selten gefährliche Situationen im
Straßenverkehr. Auch Unfälle sind keine Seltenheit. Ein schwerer
Verkehrsunfall in der Steiermark, bei dem ein Autolenker mit seinem
Fahrzeug gegen einen Pflug prallte und in seinem Fahrzeug eingeklemmt
worden ist, nahm die Alkovener Feuerwehr schlussendlich am
Samstagnachmittag, 8. November 2008, als Anlass, eine schulungsmäßige
Einsatzübung diesem Thema zu widmen.
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Vorbereitung und Zweck
Als Übungsobjekt konnte ein Traktor mit einem schweren 5-scharigen
Wendepflug der Gutsverwaltung Wilhering gewonnen werden, da der
Gutsverwalter aktives Mitglied der Alkovener Feuerwehr ist. Sämtliche
Steuer- und Regeleinheiten des Pfluges sind hydraulisch gesteuert. Ein
ausgedienter, noch fahrbereiter Pkw wurde ebenfalls von einem
Feuerwehrmitglied beigestellt. Sinn und Zweck der Übung sollte es nicht
nur sein, eine eingeklemmte Person aus einem Auto zu befreien, sondern
sich generell mit der Thematik auseinander zu setzen, mit welchen
Problemen bei einem beteiligten, landwirtschaftlichen Gerät bei Ausfall
der Hydraulik zu rechnen ist, welche Gefahren davon ausgehen könnten und
wie bei einer Bergung desselben sinnvoll vorzugehen ist. Um die Person
auch entsprechend ins Auto zu klemmen bzw. den Schwierigkeitsgrad etwas
zu steigern und den Pflug auch entsprechend am Unfallfahrzeug platzieren
zu können, wurde der Pkw im Vorfeld entsprechend vorbehandelt. Die
Löffelschaufel eines ICB-Baggers diente dazu, das Dach des Autos im
Fahrerbereich entsprechend zu deformieren. Dadurch wurde es möglich, den
Pflug passend für die Übung auf den Pkw zu setzen, ohne das
landwirtschaftliche Gerät dabei zu beschädigen. Als Austragungsort wurde
– um schwierige Platzbedingungen für die Einsatzkräfte zu schaffen –
eine Feldwegkreuzung im Augebiet der Gemeinde Alkoven gewählt.
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Ausgangslage
Ein landwirtschaftliches Gespann – Traktor mit 5-scharigen Wendepflug –
bog bei typischem Herbstschlechtwetter auf einem langen, geraden Stück
der Bundesstraße 129 in einen Feldweg ein. Ein mit überhöhter
Geschwindigkeit nachfolgender Autolenker übersah trotz eingeschaltetem,
gelbem Drehlicht (Überbreite) den Traktor und prallte in der Folge mit
hoher Wucht gegen den Pflug. Dabei wird der Pkw-Lenker in seinem Auto
eingeklemmt, die Hydrauliksteuerung des Pfluges wird durch das Platzen
der Leitungen außer Betrieb gesetzt. Hydrauliköl fließt auf, Rauch tritt
aus dem Motorraum des Pkws aus. |
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Alarmierung mit Praxisangaben
Die Ortsangaben sind bei Alarmierungen der Feuerwehren nicht immer die
besten. Gerade in der Aufregung passiert es auch in der Praxis immer
wieder, dass die Unfallorte nur recht vage angegeben werden oder nur
ungenau beschrieben werden können. Genau mit diesem Umstand sollten auch
die Übungsteilnehmer konfrontiert werden. Als bekannte
Einsatzstichwörter wurde den im Feuerwehrhaus wartenden Kräften per
Telefon übermittelt: „Unfall mit einem landwirtschaftlichen Gerät in
Gstocket beim Bogauer in Richtung der Teiche“. Eine Meldung, wie man sie
von Einheimischen durchaus im echten Ernstfall auch erwarten kann. Somit
war es vom Einsatzleiter erst zu eruieren, um wen es sich bei diesem
ortsüblichen Hausnamen tatsächlich handelt bzw. ob sich unter der
Mannschaft jemand befindet, der das Gebäude kennt. Zweite
Herausforderung: Welche Teiche sind nun gemeint? Handelt es sich um ein
Biotop nahe dem Innbach oder nun doch um das Ofenwasser oder hatte es
mit den Radkovsky-Teichen zu tun? Trotz dieser schwierigen Angaben
fanden die Feuerwehrkräfte rasch ihren Übungsort.
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Maßnahmen
Die Erkundung des Übungsleiters ergab, dass der Pflug auf der Motorhaube
des Pkws aufsaß, jedoch unklar ist, wie sich das Gerät bei
Modifikationen am Unfallauto – beispielsweise durch eine
Destabilisierung bei Einsatz der Bergeschere an der B-Säule – verhalten
würde, wenn auch eine Schare des Pfluges im vorliegenden Fall auf der
Motorhaube aufsaß (Gesamtgewicht des Pfluges: ca. drei Tonnen). Bei
entsprechendem Platzangebot wäre die Sicherung mit dem Kran des
Lastfahrzeuges eine effektive Möglichkeit. Da das Kranfahrzeug jedoch in
der Erstphase noch nicht verfügbar war, wurde entschieden, einen
Mannschaftstrupp mit Unterlegholz und Hebekissen eine entsprechende
Sicherung gegen ein Absacken während des Arbeitens oder durch Platzen
des Autovorderreifens aufzubauen, wenn aufgrund der Situation nicht
unbedingt damit zu rechnen gewesen wäre. Schlussendlich saß die vierte
Schare fest auf der Motorhaube auf – aber dennoch. Ein weiterer Trupp
konnte sich der Personenrettung annehmen. Aufgrund der vorliegenden
Situation wurde hier entscheiden, den Eingeklemmten nach hinten aus
seiner misslichen Lage zu befreien. Mittels Bergegerät wurde dazu die
hintere Autotür geöffnet und der Fahrersitz soweit umgelegt, dass der
Verletzte heckseitig gerettet werden konnte. Weitere Kräfte bauten in
der Zwischenzeit den Brandschutz auf. Die noch zu beobachtende
Rauchentwicklung – die Wirkung der Rauchbombe ließ zu frühzeitig vor
Eintreffen der Helfer nach – wurde auf austretende Kühlflüssigkeiten
abgewandelt.
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Zwischenstopp für Lagebesprechung und Diskussion
Zwischen den einzelnen Schritten wurde die Übung für eine gemeinsame
Besprechung immer wieder angehalten. Somit sollte jeder Teilnehmer die
Möglichkeit haben, alle Abläufe mitzuverfolgen und nicht nur seine
eigenen Arbeitsschritte zu sehen. Diskutiert wurde hierbei auch, wie
sich die drucklosen Geräte im tatsächlichen Einsatzfall verhalten
könnten. Bestünde die Gefahr des unvorhergesehenen Wendens, falls der
Pflug am Pkw verrutscht? So gibt es beispielsweise Pflüge mit einem oder
auch zwei hydraulischen Steuerkreisen. Während es sich beim vorhanden
Pflug um ein Gerät mit zwei Steuerkreisen handelte, die beim Wenden
desselben aktiviert werden und alle Vorgänge steuert, nutzen Pflüge mit
nur einem Steuerkreis beim Wenden des Gerätes das Eigengewicht mit,
sprich es wird die Schwungkraft genutzt. Fakten wie diese sind für
dieses oder ein ähnliches Einsatzszenario – auch wenn es sich lediglich
um einen Bergeeinsatz handelt – durchaus relevant und vor allem für
Feuerwehrleute ohne landwirtschaftliche Erfahrung von Interesse. |
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Verhaltenstest im Anschluss
Nach Absolvierung der eigentlichen Übungsaufgabe wurde die Gelegenheit
genutzt, das Verhalten des Pfluges beim Anheben zu verfolgen. Zu diesem
Zweck wurde der hydraulische Oberlenker des Traktors auf Schwimmstellung
gestellt, um diesen nicht real zu beschädigen. Ein Anheben des Pfluges
mittels Kran im hinteren Teil bewirkt schlussendlich in der Erstphase
aufgrund der Hebelwirkung die Kraftübertragung auf den Oberlenker. Erst
in weiterer Folge erfolgte die Kraftübertragung auf die
Hydraulikschienen des Traktors. Auf diese Weise wurde auch für den
Kranmaschinisten ein Übungspart geboten, während zum Beüben der
tragbaren Motorseilwinde auch noch das Unfallauto nach Anheben des
Pfluges unter demselben hervorgezogen werden konnte. Nach zwei Stunden
Einsatzübung mit Schulungscharakter war diese dann schlussendlich zu
Ende und das Aufräumen konnte beginnen.
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Platzierung der Fahrzeuge
Nach rund zwei
Stunden wurde die Einsatzübung mit Schulungscharakter beendet. Wichtig
war es für die Ausarbeiter der Übung, Christian Wieshofer und Gerald
Denk, auch, aufzuzeigen, wie wichtig die korrekte Platzierung der
Einsatzfahrzeuge in Hinsicht auf eventuell nachrückende Kräfte ist. In
der Praxis wird darauf vor allem bei Akutsituationen immer wieder
vergessen und recht rasch passiert es, dass man sich mit Fahrzeugen und
bereit gestellten Geräten den Einsatzraum für weitere Sonderfahrzeuge
etc. verbaut bzw. der Platz nur mühsam geräumt werden kann. Genau
geachtet wurde auch auf die Entscheidungen des jungen Einsatzleiters.
Welche Schritte werden gesetzt bzw. werden alle Faktoren auch
berücksichtigt (beispielsweise auch „Kleinigkeiten“ wie das Ausfließen
des Hydrauliköls und dergleichen).
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