Einsatzübung:
Unfall mit landwirtschaftlichen Gerät – Auto prallt gegen Pflug
Von Hermann Kollinger

Landwirtschaftliche Fahrzeuge prägen zu allen Jahreszeiten – vermehrt jedoch im Herbst – das Straßenbild in den ländlichen Regionen. Die technische Ausführung sowie die Dimension der Geräte haben sich massiv verändert. Die Kombination eines Verkehrsunfalls mit einem landwirtschaftlichen Gerät und einem Auto, in dem eine Person eingeklemmt ist, hat die Feuerwehr Alkoven als Ausgangslage für eine technisch orientierte Einsatzübung mit Schulungscharakter herangezogen.

Regennasse und durch Laub rutschige Fahrbahnen sowie Sichtbehinderungen durch Nebel – ein typisches Szenario im Herbst eines jeden Jahres. Viele Landwirte sind unterwegs, um ihre Felder zu bearbeiten. Zu diesem Zweck müssen sie häufig Landes- und Bundesstraßen benutzen, um die Grundstücke zu erreichen. Mit den teilweise vorhandenen Überbreiten der schweren Geräte der neuen Generation ergeben sich vor allem bei schlechten Witterungsbedingungen nicht selten gefährliche Situationen im Straßenverkehr. Auch Unfälle sind keine Seltenheit. Ein schwerer Verkehrsunfall in der Steiermark, bei dem ein Autolenker mit seinem Fahrzeug gegen einen Pflug prallte und in seinem Fahrzeug eingeklemmt worden ist, nahm die Alkovener Feuerwehr schlussendlich am Samstagnachmittag, 8. November 2008, als Anlass, eine schulungsmäßige Einsatzübung diesem Thema zu widmen.

Vorbereitung und Zweck
Als Übungsobjekt konnte ein Traktor mit einem schweren 5-scharigen Wendepflug der Gutsverwaltung Wilhering gewonnen werden, da der Gutsverwalter aktives Mitglied der Alkovener Feuerwehr ist. Sämtliche Steuer- und Regeleinheiten des Pfluges sind hydraulisch gesteuert. Ein ausgedienter, noch fahrbereiter Pkw wurde ebenfalls von einem Feuerwehrmitglied beigestellt. Sinn und Zweck der Übung sollte es nicht nur sein, eine eingeklemmte Person aus einem Auto zu befreien, sondern sich generell mit der Thematik auseinander zu setzen, mit welchen Problemen bei einem beteiligten, landwirtschaftlichen Gerät bei Ausfall der Hydraulik zu rechnen ist, welche Gefahren davon ausgehen könnten und wie bei einer Bergung desselben sinnvoll vorzugehen ist. Um die Person auch entsprechend ins Auto zu klemmen bzw. den Schwierigkeitsgrad etwas zu steigern und den Pflug auch entsprechend am Unfallfahrzeug platzieren zu können, wurde der Pkw im Vorfeld entsprechend vorbehandelt. Die Löffelschaufel eines ICB-Baggers diente dazu, das Dach des Autos im Fahrerbereich entsprechend zu deformieren. Dadurch wurde es möglich, den Pflug passend für die Übung auf den Pkw zu setzen, ohne das landwirtschaftliche Gerät dabei zu beschädigen. Als Austragungsort wurde – um schwierige Platzbedingungen für die Einsatzkräfte zu schaffen – eine Feldwegkreuzung im Augebiet der Gemeinde Alkoven gewählt.

Ausgangslage
Ein landwirtschaftliches Gespann – Traktor mit 5-scharigen Wendepflug – bog bei typischem Herbstschlechtwetter auf einem langen, geraden Stück der Bundesstraße 129 in einen Feldweg ein. Ein mit überhöhter Geschwindigkeit nachfolgender Autolenker übersah trotz eingeschaltetem, gelbem Drehlicht (Überbreite) den Traktor und prallte in der Folge mit hoher Wucht gegen den Pflug. Dabei wird der Pkw-Lenker in seinem Auto eingeklemmt, die Hydrauliksteuerung des Pfluges wird durch das Platzen der Leitungen außer Betrieb gesetzt. Hydrauliköl fließt auf, Rauch tritt aus dem Motorraum des Pkws aus.

Alarmierung mit Praxisangaben
Die Ortsangaben sind bei Alarmierungen der Feuerwehren nicht immer die besten. Gerade in der Aufregung passiert es auch in der Praxis immer wieder, dass die Unfallorte nur recht vage angegeben werden oder nur ungenau beschrieben werden können. Genau mit diesem Umstand sollten auch die Übungsteilnehmer konfrontiert werden. Als bekannte Einsatzstichwörter wurde den im Feuerwehrhaus wartenden Kräften per Telefon übermittelt: „Unfall mit einem landwirtschaftlichen Gerät in Gstocket beim Bogauer in Richtung der Teiche“. Eine Meldung, wie man sie von Einheimischen durchaus im echten Ernstfall auch erwarten kann. Somit war es vom Einsatzleiter erst zu eruieren, um wen es sich bei diesem ortsüblichen Hausnamen tatsächlich handelt bzw. ob sich unter der Mannschaft jemand befindet, der das Gebäude kennt. Zweite Herausforderung: Welche Teiche sind nun gemeint? Handelt es sich um ein Biotop nahe dem Innbach oder nun doch um das Ofenwasser oder hatte es mit den Radkovsky-Teichen zu tun? Trotz dieser schwierigen Angaben fanden die Feuerwehrkräfte rasch ihren Übungsort.

Maßnahmen
Die Erkundung des Übungsleiters ergab, dass der Pflug auf der Motorhaube des Pkws aufsaß, jedoch unklar ist, wie sich das Gerät bei Modifikationen am Unfallauto – beispielsweise durch eine Destabilisierung bei Einsatz der Bergeschere an der B-Säule – verhalten würde, wenn auch eine Schare des Pfluges im vorliegenden Fall auf der Motorhaube aufsaß (Gesamtgewicht des Pfluges: ca. drei Tonnen). Bei entsprechendem Platzangebot wäre die Sicherung mit dem Kran des Lastfahrzeuges eine effektive Möglichkeit. Da das Kranfahrzeug jedoch in der Erstphase noch nicht verfügbar war, wurde entschieden, einen Mannschaftstrupp mit Unterlegholz und Hebekissen eine entsprechende Sicherung gegen ein Absacken während des Arbeitens oder durch Platzen des Autovorderreifens aufzubauen, wenn aufgrund der Situation nicht unbedingt damit zu rechnen gewesen wäre. Schlussendlich saß die vierte Schare fest auf der Motorhaube auf – aber dennoch. Ein weiterer Trupp konnte sich der Personenrettung annehmen. Aufgrund der vorliegenden Situation wurde hier entscheiden, den Eingeklemmten nach hinten aus seiner misslichen Lage zu befreien. Mittels Bergegerät wurde dazu die hintere Autotür geöffnet und der Fahrersitz soweit umgelegt, dass der Verletzte heckseitig gerettet werden konnte. Weitere Kräfte bauten in der Zwischenzeit den Brandschutz auf. Die noch zu beobachtende Rauchentwicklung – die Wirkung der Rauchbombe ließ zu frühzeitig vor Eintreffen der Helfer nach – wurde auf austretende Kühlflüssigkeiten abgewandelt.

Zwischenstopp für Lagebesprechung und Diskussion
Zwischen den einzelnen Schritten wurde die Übung für eine gemeinsame Besprechung immer wieder angehalten. Somit sollte jeder Teilnehmer die Möglichkeit haben, alle Abläufe mitzuverfolgen und nicht nur seine eigenen Arbeitsschritte zu sehen. Diskutiert wurde hierbei auch, wie sich die drucklosen Geräte im tatsächlichen Einsatzfall verhalten könnten. Bestünde die Gefahr des unvorhergesehenen Wendens, falls der Pflug am Pkw verrutscht? So gibt es beispielsweise Pflüge mit einem oder auch zwei hydraulischen Steuerkreisen. Während es sich beim vorhanden Pflug um ein Gerät mit zwei Steuerkreisen handelte, die beim Wenden desselben aktiviert werden und alle Vorgänge steuert, nutzen Pflüge mit nur einem Steuerkreis beim Wenden des Gerätes das Eigengewicht mit, sprich es wird die Schwungkraft genutzt. Fakten wie diese sind für dieses oder ein ähnliches Einsatzszenario – auch wenn es sich lediglich um einen Bergeeinsatz handelt – durchaus relevant und vor allem für Feuerwehrleute ohne landwirtschaftliche Erfahrung von Interesse.

Verhaltenstest im Anschluss
Nach Absolvierung der eigentlichen Übungsaufgabe wurde die Gelegenheit genutzt, das Verhalten des Pfluges beim Anheben zu verfolgen. Zu diesem Zweck wurde der hydraulische Oberlenker des Traktors auf Schwimmstellung gestellt, um diesen nicht real zu beschädigen. Ein Anheben des Pfluges mittels Kran im hinteren Teil bewirkt schlussendlich in der Erstphase aufgrund der Hebelwirkung die Kraftübertragung auf den Oberlenker. Erst in weiterer Folge erfolgte die Kraftübertragung auf die Hydraulikschienen des Traktors. Auf diese Weise wurde auch für den Kranmaschinisten ein Übungspart geboten, während zum Beüben der tragbaren Motorseilwinde auch noch das Unfallauto nach Anheben des Pfluges unter demselben hervorgezogen werden konnte. Nach zwei Stunden Einsatzübung mit Schulungscharakter war diese dann schlussendlich zu Ende und das Aufräumen konnte beginnen.

Platzierung der Fahrzeuge
Nach rund zwei Stunden wurde die Einsatzübung mit Schulungscharakter beendet. Wichtig war es für die Ausarbeiter der Übung, Christian Wieshofer und Gerald Denk, auch, aufzuzeigen, wie wichtig die korrekte Platzierung der Einsatzfahrzeuge in Hinsicht auf eventuell nachrückende Kräfte ist. In der Praxis wird darauf vor allem bei Akutsituationen immer wieder vergessen und recht rasch passiert es, dass man sich mit Fahrzeugen und bereit gestellten Geräten den Einsatzraum für weitere Sonderfahrzeuge etc. verbaut bzw. der Platz nur mühsam geräumt werden kann. Genau geachtet wurde auch auf die Entscheidungen des jungen Einsatzleiters. Welche Schritte werden gesetzt bzw. werden alle Faktoren auch berücksichtigt (beispielsweise auch „Kleinigkeiten“ wie das Ausfließen des Hydrauliköls und dergleichen).

 

Zurück zum Startmenü "Ausbildung"