Realfeuer-Atemschutz-Übungseinsatz im Abbruchhaus
in Straßham (25.9.2007)
Eine Reportage von Hermann Kollinger

„Dichter Rauch, Brandhitze und unter persönlicher Anspannung auf allen Vieren durch verwinkelte und angeräumte Zimmer krabbeln“ – so stellen sich bei vielen Wohnungs- und Zimmerbränden die Bedingungen für die Einsatzkräfte der Feuerwehren. Gar nicht oder nur äußerst selten haben vor allem jüngere Atemschutzgeräteträger diese Bedingungen des Ernstfalles zu üben, obwohl man im echten Einsatz jedoch erwartet, dass sie ihren Job beherrschen. Doch nur die Übung macht bekanntlich den Meister.

Wieder ein Abbruchhaus: Die Atemschutzträger der Feuerwehren der Gemeinde Alkoven (FF Alkoven, FF Polsing) hatten am Abend des 25. September 2007 nunmehr schon zum dritten Male innerhalb von drei Jahren die Gelegenheit, ein für den Abbruch vorgesehenes, altes Wohnhaus für eine heiße Einsatzübung zu nutzen. Außer den Übungsverantwortlichen selbst wurde auch die teilnehmende Mannschaft nicht genauer über die bevorstehende Einsatzübung informiert, so dass es möglich war, auch die Randbedingungen (z.B. für den Einsatzleiter) möglichst realistisch darzustellen.

Das Übungsobjekt: Beim Übungsobjekt handelte es sich um ein altes Einfamilienhaus mit Erdgeschosswohnung und gleich darüber liegenden Dachstuhl. Es wird einer Zufahrtsstraße für eine neue Wohnsiedlung weichen müssen. Ein zuvor anvisiertes Haus konnte aufgrund seiner akuten Einsturzgefahr nicht für die Übung herangezogen werden, so dass dann der Besitzer in Straßham von der Feuerwehr aufgesucht wurde und die Genehmigung für die Austragung der Übung eingeholt werden konnte. Die Zimmer des Gebäudes wurden mit diversen, alten Möbeln und Einrichtungsgegenständen im Zuge der Vorbereitung ausgestattet, um den Atemschutzträgern mehr als nur leere Zimmer anbieten zu können und die Suche nach der vermissten Person etc. zu erschweren. Schlussendlich sind auch in der Praxis die wenigsten Brandwohnungen leer. Der Dachboden wurde aufgrund des ausgetrockneten Zustandes unter der Hitzestrahlung von unten nicht direkt ins Übungsgeschehen eingebunden. Das Gebäude befand sich fast freiliegend direkt an einer Gemeindestraße, lediglich an einer Ecke steht in einigen Metern Entfernung ein weiteres Haus, so dass in Hinsicht auf die Brandintensität aus Sicherheitsgründen durchaus Rücksicht genommen wurde. Schlussendlich sollte – wie in anderen Bundesländern bereits passiert – alles daran gesetzt werden, dass die Übung auch nur eine Übung bleibt.

Feuer im Gebäude: In den verwinkelten Räumen des alten Hauses wurden mittels Holzbrennstoffe (Obstkisten, Holzstücke) mehrere Brandquellen gelegt. Zusätzlich sorgten zwei Nebelgeräte für eine dichte Verrauchung des gesamten Gebäudes, die im Realfall durch verbrennende Kunststoffe etc. ebenfalls zustande kommt. Bei den Feuerstellen wurde durchaus darauf geachtet, dass es möglichst zu keiner Durchzündung in dem in Straßham stehenden Altgebäude kommt und weiträumiger Funkenflug die Folge gewesen wäre. Neben einer Gasflasche wurde weiters eine schwere Übungspuppe im Haus versteckt, die von den Atemschutztrupps der Feuerwehren Alkoven und Polsing zu lokalisieren bzw. bergen waren.

Atemschutzträger im Innenangriff: „Was man bei der Übung nicht lernt, wird in der Praxis auch nicht angewandt“ – gemäß diesem Spruch wurde bereits bei der Einsatzvorbereitung der Atemschutzträger darauf geachtet, dass die aus jeweils drei Mann bestehende Truppe mit sämtlichem Equipment (Feuerwehraxt, Funkgerät, Leine, Wärmebildkamera etc.) den Innenangriff bestreitet. Mit jeweils einem Rettungstrupp in Bereitschaft – sollte es zu einem Notfall kommen – machten sich alle Teilnehmer kriechend auf dem Weg durch das Gebäude, um – solange der Luftvorrat reichte bzw. die Rückzugswarnung aktiviert wurde – auf den Weg ins Haus. Hierbei leistete die Wärmebildkamera der FF Alkoven ausgezeichnete Dienste, die Einsatzkräfte konnten sich bereits bei der Tür ein erstes (Temperatur-)Bild davon machen, was sie im folgenden Raum erwarten würde. Zudem wurde selbstverständlich auf die richtige Vorgehensweise beim Öffnen der Tür etc. geachtet und auch so manche Feinheiten eingebaut. Einer der Brandherde befand sich beispielsweise hinter einer Türe, so dass dieser beim Betreten des Raumes anfangs nicht zu erkennen war. Ebenfalls wurden die Atemschutzträger auf einen als Brandherd simulierten, alten – mit Koks beheiztem - Ofen aufmerksam gemacht, welch’ Gefahren von diesem ausgehen können, wenn das glühend heiße Eisenheizgerät mit viel Wasser „gelöscht“ werden würde. Zudem wurde den Feuerwehrleuten auch deutlich vor Augen geführt, dass es oft nur kleiner Wasserstöße bedarf, um eine große Löschwirkung zu erreichen und damit auch den Wasserschaden zu vermeiden bzw. möglichst gering zu halten.

Lage außer Kontrolle? Um etwas Leben in die Übung zu bekommen, erfolgte durch den Übungsleiter in einem unbeobachteten Moment am Dachboden die Zündung einer Rauchbombe. Diese bewirkte nicht nur einen plötzlichen und massiven Rauchaustritt durch den bereits löchrigen Dachstuhl, sondern die Verbrennung derselben hatte auch optisch den Effekt, als würde einer der größer gewordenen Zimmerbrände über die Decke auf den Dachboden übergegriffen haben. Da niemand über diese Einlage Bescheid wusste, musste der Einsatzleiter nun davon ausgehen, dass es sich um eine unbeabsichtigte Folge der Brandherde gehandelt hatte. So wurden damit auch jene Löschmannschaften kurzfristig und völlig unvorbereitet mit Arbeit eingedeckt, die nicht direkt mit den Atemschutztrupps eingesetzt oder als Atemschutzgeräteträger selbst eingesetzt waren. Da zu den gelegten Brandherden nun auch der Dachboden als Einsatzstelle dazukam, wurde die Logistik (der Atemschutzsammelplatz) auf die Probe gestellt, denn natürlich durften auch in diesem Fall die nötigen Sicherheitsreserven – Stichwort Rettungstrupp – nicht vernachlässigt werden. Erst nach einer Weile sowie nach der Kontrolle des Dachbodens über eine Schiebleiter und einem Innenangriffstrupp mit Wärmebildkamera konnte „Entwarnung“ gegeben werden, dass der Brand doch nicht durchgebrochen sei. Der nicht mehr flackernde Lichtschein war hingegen mit dem Ausbrennen der Rauchbombe verbunden, der den Eindruck des – nicht vorhandenen – Brandes erweckt hatte.

Kleine Feuer – große Wirkung: Wenn auch die Flammen auf den Bildern teilweise etwas klein wirken und sie teilweise auch größer waren, sollte man deren Auswirkungen jedoch nicht unterschätzen. Der Hitzestau in den kleinen, geschlossenen Räumen – die Fenster waren bis zuletzt mit Holzbrettern abgedichtet – ist enorm. Die Größe der Brandherde reichte vollends aus, um den Atemschutzträgern eine praxisgerechte Atmosphäre zu schaffen. Es stellt an den Geräteträger durchaus andere Bedingungen, wenn es sich um ein Gebäude mit Möbeln und all den Verwinkelungen handelt, in dem es tatsächlich brennt.

Pro und contra Heißübung: Natürlich, die Übungen in den Brandschutzcontainern oder sonstige Heißübungen werden von den Herstellern der Feuerwehrschutzkleidung nicht nur begrüßt. Die Schutzbekleidung wird heutzutage mit einer kurzfristigen Direktbeflammung mit 800°C auf ihre Funktion getestet. Diese muss das Bekleidungsstück überstehen, um den Test zu bestehen. Bei gasbefeuerten Containern werden oftmals Temperaturen von 700°C oder mehr erzeugt, wenn das Feuer über die Köpfe der Atemschutzleute züngelt (Flash-Over). Und da die Probanden ja meist bis zur Auslösung der Rückzugswarnung im Brandcontainer verbleiben, kommt es dabei zu einer längerfristigen Thermobelastung der Bekleidung. Wird dann auch noch Festbrennstoff verwendet, kann sich die Temperaturbelastung durch den beim Löschen freiwerdenden Wasserdampf noch zusätzlich erhöhen. Die Schutzkleidung hält diese zwar aus, beansprucht das Material jedoch übermäßig stark und dabei wird auch die eigentliche Funktion der Kleidung, eben der persönliche Schutz, bereits bei der Übung beansprucht. Man könnte es mit einem Motorradhelm vergleichen, der aus größerer Höhe zu Boden gefallen lassen wird. Er hat den Sturz zwar offensichtlich unbeschädigt überstanden, das Material selbst ist jedoch geschädigt und wird im Ernstfall nicht mehr das aushalten, was es eigentlich sollte. Genauso verhält sich die Bekleidung. Die offensichtlichen Schäden sind nicht vorhanden, jene Fasern, die jedoch für die Festigkeit, Beständigkeit der Schutzjacke zuständig sind, wurden dermaßen strapaziert, dass sie für den Ernstfall nicht mehr über die 100%ige Schutzfunktion verfügen. Aus diesem Grund nutzen auch Feuerwehren, die beispielsweise selbst derartige Container betreiben, für diese Übungen eigene Jacken, die nur für die Ausbildung herangezogen werden. Im vorliegenden Fall der Heißübung der Feuerwehren Alkoven und Polsing kam es innerhalb des Gebäudes zu Temperaturen von „nur“ 200 bis 300°C, so dass auf diese Weise auch eine thermische „Beleidigung“ der Einsatzbekleidung so gut wie ausgeschlossen werden kann.

Die Sicherheit danach: Wie bei einem Realeinsatz auch, sind auch nach der heißen Einsatzübung gewisse sicherheitstechnische Maßnahmen erforderlich. Nach dem Ende der Atemschutzgänge wurden sämtliche Räume überprüft und intensive Nachlöscharbeiten durchgeführt bzw. diese mittels der Wärmebildkamera neuerlich gecheckt. Nach weiteren zwei Stunden erfolgte eine weitere Kontrolle, bei der nochmals Glutnester lokalisiert und gelöscht wurden. Diese Maßnahmen sind bei Heißübungen dieser Art enorm wichtig, will man böse Überraschungen bzw. einen nachträglichen Echteinsatz so gut wie ausschließen.

Resümee:  Im Zuge der nach der Übung abgehaltenen Nachbesprechung erfolgte der Erfahrungsaustausch sämtlicher Kräfte. Gemachte Fehler wurden angesprochen bzw. ausdiskutiert. Neben einigen Verbesserungsvorschlägen für die Organisation des Atemschutzsammelplatzes, der auch im Realfall eine sehr wichtige Funktion innehat, war die nicht alltägliche Einsatzübung von sehr positiven Rückmeldungen geprägt. Vor allem der Ablauf, wie bei einem echten Wohnungsbrand und die Tatsache, dass niemand der Teilnehmer über die Übung informiert war, fand enormen Zuspruch. Dies galt auch in Hinsicht auf die einzunehmenden Stellplätze für die Fahrzeuge, die Örtlichkeit zum Errichten des Atemschutzsammelplatzes und dergleichen. Auch diese Faktoren wurden dem Realeinsatz angepasst und ebenfalls nicht vorbereitet. Zimmerbrände sind in der rund 6.000 Seelen-Gemeinde Alkoven nicht Einsatzalltag. Umso mehr an Erfahrung und Vorbereitung für die nächsten Einsätze konnte man dadurch auch sammeln. „Jeder erwartet, dass wir unseren Job professionell erledigen und jeder weiß, was er tut. Und genau das lässt sich nur dann erzielen, wenn ich auch möglichst einsatznah üben kann“, so der Tenor eines Atemschutzträgers. Ein anderer: „Es war absolut lehrreich, man sieht endlich im Zuge einer Übung, was mit nur wenig Wasser durch nur kleine Sprühlstrahlstöße bewirkt werden kann und welch’ heiße Auswirkung.

Gezeigt hat sich auch, dass die UHPS-Systeme für kleiner Zimmerbrände durchaus ihre Berechtigung haben und als Löschgerät ausreichen. Lediglich in einem Raum, der durch etwas höhere Brandlast geprägt war, geriet das Gerät doch an seine Leistungsgrenze. Dieser Raum war es auch, dessen Deckenkonstruktion im Laufe der Übung von den Flammen erfasst wurde. Um das Holz jedoch nicht völlig unbrauchbar werden zu lassen, wurde in Folge beschlossen, den Raum vollständig abzulöschen und nicht weiter zu verwenden.

Einsatzbereitschaft: Anzumerken ist auch, dass die Einsatzbereitschaft der Freiw. Feuerwehr Alkoven trotz der umfassenden Übung aufrechterhalten worden ist. Als Löschfahrzeug wurde lediglich das TLF-A 4000/200 eingesetzt. Das RLF-A 2000 befand sich zwar ebenfalls am Ort des Übungsfeuers, wurde jedoch nicht eingebunden, um im Falle eines echten Alarmes nicht mit allen Mitteln festzusitzen. Bei Übungen dieser Art sollte man auf jeden Fall berücksichtigen, nach Möglichkeit nicht alle Fahrzeuge völlig „auszuräumen“. Sollte dies aufgrund des Ausrüstungsstandes nicht möglich sein, empfiehlt es sich, vielleicht einfach auch der Nachbarsfeuerwehr die Möglichkeit zu geben, an der Übung teilzunehmen und gemeinsam eine taktische Reserve für den Realfall zu stellen.

 

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