Heiße Atemschutzübung im Abbruchhaus
Ein Bericht von Hermann Kollinger

Feuer in einer Wohnung. Hitze sowie beißender und dichter Rauch füllen das gesamte Gebäude. Der dichte Qualm setzt die Sicht in den Räumen auf Null, die Orientierung im Haus wird nahezu unmöglich. Ein Vorangehen ist nur mehr am Boden kriechend möglich…

Abbruchhaus als Übungsobjekt: Diese Bedingungen finden die Einsatzkräfte der Feuerwehren bei einem ausgedehnten Wohnungsbrand vor. Nur äußerst selten haben Atemschutzgeräteträger der Feuerwehren die Möglichkeit, solche Einsätze praxisgerecht und realistisch zu beüben oder den jüngeren bzw. neuen Geräteträgern Praxisluft schnuppern zu lassen. Ein für den Abbruch vorgesehenes Wohnhaus in der Ortschaft Hartheim (Gemeinde Alkoven) sowie die Zustimmung des Besitzers boten am Abend des 20. September 2006 für die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren Alkoven und Polsing eine dieser seltenen Gelegenheiten.

Optimale Bedingungen: Im Zuge von umfangreichen Vorbereitungen wurde dafür Sorge getragen, dass eine unvorhergesehene Ausdehnung des Feuers möglichst ausgeschlossen werden konnte. Ein kleiner Raum im Erdgeschoß des mit zahlreichen, verwinkelten Zimmern versehenen Wohnhauses wurde als Brandherd ausgewählt. Dieser eignete sich hervorragend, um mit wenig Aufwand später eine nicht zu leicht zu lokalisierende Feuerstelle zu bieten, die zudem optimalen Stauraum für die Brandhitze bot – somit beste Voraussetzungen für einen praxisgerechten Atemschutzeinsatz! Da als Heizmaterial lediglich Holzkisten verwendet wurden, die im Gegensatz zum echten Wohnungsbrand, wo auch Plastik, Schaumstoffe etc. verbrennen, nur eine bedingte Rauchentwicklung bewirken, wurde zusätzlich ein Nebelgerät eingesetzt, um das komplette Geschoß zu verqualmen und die Sichtbedingungen auf reales Niveau – nämlich gleich Null – herabzusetzen. 

Wärmebildkamera als Begleiter: Wärmebildkamera als Begleiter Um auch bereits dem ersten Atemschutztrupp die entsprechende Hitze bieten zu können, wurde das Feuer ca. 10 Minuten vor dem Abrücken der Kräfte vom Feuerwehrhaus Alkoven entzündet. Somit wurde auch das Mauerwerk bereits entsprechend aufgewärmt, was in weiterer Folge auch zur praxisgerechten Hitzeabstrahlung führte. Zusätzlich wurde im Gebäude eine schwere Puppe versteckt, die aufgespürt und ins Freie „gerettet“ werden musste, bevor der eigentliche Brand zu bekämpfen war. Jedem der sieben jeweils aus drei Mann bestehenden Trupps wurde ein Ausbilder beigestellt, der die Männer im Innenangriff begleitete. Da der FF Alkoven ab Ende September 2006 auch eine Wärmebildkamera, eine Argus 4, zur Verfügung stehen wird, wurde ein geliehenes Modell bei jedem Angriff mitgenommen, um die Handhabung sowie den großen Nutzen des Geräts zu demonstrieren. .

UHPS im Praxistest: Einem Praxistest wurde auch das UHPS-Gerät (Hochdrucklöschsystem, das im Prinzip wie ein Hochdruckreiniger funktioniert) der FF Polsing unterzogen, dass die Wehr in ihrem Löschfahrzeug mitführt. Es zeigte sich, dass sich auch ein bereits ausgedehnter Zimmerbrand problemlos und Wasser sparend löschen lässt. Der dünne Schlauch ersetzte sogar die Rettungsleine des Atemschutztrupps, die im Normalfall den Rückzugsweg der Einheit sicher. Der Schlauch wurde bei jedem AS-Mann am Sicherheitsgurt durchgefädelt. Im Falle einer Gefahr brauchte die Einheit lediglich die Löschpistole liegen lassen und sich entlang des Schlauches zum rettenden Ausgang zurückfädeln. 

Lehrreich für die Mannschaft: Im Jahr 2005 konnte bereits einmal eine ähnliche Übung durchgeführt werden. Da das Gebäude damals jedoch kleiner war, beschränkte sich die Aufgabe für den jeweiligen Atemschutztrupp auf das effiziente und Wasser sparende Löschen, ohne sich den Weg erst durch verqualmte Räume vorkämpfen und die Brandquelle suchen zu müssen. 2006 konnte man das Szenario ausdehnen. Jeder Atemschutztrupp musste sich erst mühsam durch die verwinkelten Räumlichkeiten vorkämpfen, um den Brandherd zu finden. Alle beteiligten Atemschutzgeräteträger waren begeistert, mussten jedoch auch feststellen, wie rasch man in einem derart verrauchten Gebäude die Orientierung verliert. Zudem ist es oft schwieriger als man glaubt, die Brandquelle zu finden. Ein junger Trupp marschierte aufgrund des dichten Qualms unmittelbar neben dem brennenden Zimmer vorbei, ohne zu bemerken, dass sie sich in direkter Nähe zur Feuerstelle befinden. Bestens bewährt haben sich auch die seit einiger Zeit bei jedem Atemschutzträger in Verwendung befindlichen Brandschutzhauben. Diese verhindern Verbrühungen durch heißen Wasserdampf oder Verbrennungen im Bereich des Halses eines Feuerwehrmannes.

Blutdrucküberwachung: Ein SEW des Arbeitersamariterbund Alkoven stand mit Sanitätern bereit und übernahm beim Atemschutzsammelplatz die Überwachung der Atemschutzträger. Vor und nach dem Atemschutzeinsatz wurde der Blutdruck jedes in den Innenangriff gehenden Feuerwehrmannes gemessen.

Blockierter Unterflurhydrant: Die außerhalb des Gebäudes arbeitenden Feuerwehrleute wurden ebenfalls um eine Erfahrung reicher. Im Bereich des neuen Kreisverkehrs in Hartheim wurde im Zuge der Asphaltierungsarbeiten die Abdeckung des Unterflurhydranten nach dem Auftragen der Asphaltdecke nicht sorgfältig freigelegt. Dies hatte zur Folge, dass sich die Abdeckung nur mit größerem Zeitaufwand und unter Einsatz von Schanzwerkzeug öffnen ließ. Erst dann konnte ein Standrohr gesetzt und die Löschwasserversorgung für die zwei eingesetzten Tanklöschfahrzeuge hergestellt werden. Die Löschwasserversorgung war zwar im Falle des Zimmerbrandes praktisch nicht erforderlich, galt jedoch als Ergänzung für den Einsatzablauf. 

 

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